02-08. Piratencamp 2 neigt sich dem Ende entgegen

Nils hat einen schweren Stand. Obwohl wir 21 Helfer haben, macht sich die Müdigkeit etwas breit. Das Wetter wird mit der Zeit unwirtlicher. Die ersten Tage gehen noch, Ausbildung bei zunehmendem Starkwind. Zwanzig Optikinder tummeln sich um die Insel. Neben Laura und Melissa helfen noch Till und Kilian. Birthe kümmert sich um die Sportbootbinnler,  Lorenz, Niklas organisieren die Junioren und Grundscheinler; Jan übernimmt die Auffrischler und Jona und Claas betreuen die Gleiter. Ich schneide die ständig einlaufenden Filmaufnahmen, Sofia schreibt die Scheine aus.

Abends habe ich zuweilen meine See-Schüler.  Der Starkwind paart sich leider mit dem Wasserstand, macht das Segeln zunehmend schwieriger. Saza bekocht tapfer die hungrigen Münder. Da kann nicht alles glatt laufen, es gibt Diskussionen, Entscheidungen und die Notwendigkeit der Deeskalation. Auch Stanzerl hilft in der Küche und bei der Piratenralley – unsere gemeinsame Zeit schrumpft leider.
Bei den Gleitern entstehen dramatische Situationen. Zwei 470iger mit Claas und Jona weichen wegen Wassermangel in die Dalbenbucht aus. Eine Saling bricht, Kenterung ... Das Motorboot schleppt gerade eine andere Jolle rein. Jan L. hilft, läuft aus und findet die zweite Gleitjolle. Noch einmal relativ gut gegangen, wir wollen unsere Lehren darauf ziehen. Wenn das Sicherungsboot das Revier verlässt, müssen die anderen im Flachwasser warten. Auf alle Fälle müssen sie zusammen bleiben, damit sie zu finden sind.

Am Freitag erscheinen die offiziellen Prüfer schon am Morgen, ohne Vorwarnung, planen wir doch die Prüfungen ab 14 Uhr, kann aber auch 16 Uhr werden. Unsere Jollen sind schon am Dalben, per Handy sind sie nicht zu erreichen.  So beginnt ein Prüfer mit der Theorie, während Edith mit Lorenz Richtung zweite Bucht aufbricht.  Parallel laufen die Optis, Junioren und Grundscheinler . Bis in den Nachmittag erstrecken sich die Prüfungen. Leider fällt eine Person in der Navigation durch, in seiner Aufgabe gibt es die Tonne 10 zweimal, er nimmt die falsche ...

Lucia wird für ihre 20jährige Treue und Hilfe geehrt. Wir überreichen ihr eine Schatzkarte, die sie zielführend umsetzt. Elisabeth, Lucia, Lorenz, Stanzerl und ich sind gerührt.
Die Piraten feiern ihren Abschied nach einer Einburgerung von Saza mit einem schönen Lagerfeuer. Inzwischen haben die lieben Helfer das Innere der Hütte in eine Kinderdisco verwandelt. So klingt der Abend aus.


Am Samstag – die letzten Piraten verlassen das Gelände – ein Rucksack bleibt einsam zurück – habe ich zwei neue Schüler; Khrystyna und Frank. Bei stark böigem Südwester üben wir die ersten Kurse. Am Sonntag – Nele ist eingetroffen – gehen fast alle Laser Richtung Dalbenbucht und Nordtonne. Mein kleiner Menhir mogelt sich dazwischen. Dabei entdecken wir einen Katamaran, der im Naturschutzgebiet geparkt hat. Die Segelschülerin hat mir eine Thermosflasche vom Beach-Hotel geschenkt, sie auch gleich mit Kaffee gefüllt, der hat auch geschmeckt, habe aber beim Auswaschen noch einen Beipackzettel im Inneren gefunden, der jetzt einen dunklen Braunton aufweist.

Der Montag beginnt ruhig – vielleicht zehn Schüler – das Wetter spielt wieder mit – sechs Jollen kreuzen in der Bucht.

26.07. Zwischenspiel am Wochenende

Die Familie Weiland mit Anhang, sowie Eduard und Nathalia versammeln sich vor der Tafel. Bei kräftigem Wind legen drei Menhire mit Birthe, Holger und mir ab. Bei mir an Bord auch Sofia, die in die Ausbildungsmethodik „Menhirsegeln“ eingeführt wird. Schon am Nachmittag kann ich meine Crew auf zwei Schiffe verteilen. Den Wind nutzen zahlreiche Laser und Gleiter. Moritz und Jan verbrauchen sehr viel Kraft um den 5000ender wieder aufzurichten. Zur Erholung kitet Moritz dann.

Am Sonntag übernimmt Sofia bereits ihr eigenes Schiff, weil Holger leider nicht kann. Es regnet immer wieder, zwischendurch Flaute, dann wieder leichte Brise. Gegen 13 Uhr machen sich dann fünf Menhire auf den Weg zur Dalbenbucht. Birthe auf der Steuerschüssel während ich Crescent führe. Bei mir an Bord der Vollmatrose Kilian, der das Steuern unter Motor trainiert, dann als Schiffsführer auf einen Menhir übergesetzt wird.

Bei den leichten Winden ist die Kreuz an der Werft ein Nadelöhr, durch den regen Schiffsverkehr sind wir sehr gefordert. Simon und Arendt sind allen davongesegelt. Ein Abschiedsgeschenk einer Schülerin – eine Schachtel mit Schokoladenstücken – die nehmen wir nun hervor und verteilen sie an alle Schiffe. Da taucht hinter uns eine bedrohlich Wolke auf – Gewitter droht. So müssen wir die Ausfahrt frühzeitig abbrechen. Doch insgesamt werden wir verschont. Ein Schüler erzählt Heute Morgen, der Blitz habe einmal im Binnensee eingeschlagen. Dafür kreiste das Gewitter wohl lange über Fehmarn. Die neue Woche ist wieder prall gefüllt. 20 Optimisten, jede Menge Grund- und Juniorschein Schüler, Auffrischler und einige Gleiter. Die Anzahl der Piraten ist mit 26 gleich geblieben….

24.07. Das erste Piratencamp ist zu Ende!

Die Crew, allen voran Lucia und Ulf, haben hervorragende Arbeit geleistet. 26 Piraten und zahlreiche Tagesgäste, insgesamt so um die 57 Schüler mit Tross an die 70 Menschen haben die Segelschule bevölkert. Trotz allem verbreitete sich eine ruhige Gelassenheit, die natürlich durch Spiele und andere Momente durchbrochen wurde. Die gut bürgerliche Küche, extrem lecker zubereitet, hat die Mägen in Vorfreude versetzt.

Stress hatte ich lediglich beim Filmschneiden. Rund 500 Szenen, aus denen ich 376 ausgewählt habe, getrimmt, geschnitten, mit 30 Effekten und Texten versehen, schließlich mit 14 Tonstücken garniert. Erst gegen 2030 Uhr ist eine DVD fertig. Das an einem Tag, an dem 43 Optis, Junioren und Grundscheinler neben vier Binnlern und vier Personen von anderen Segelschulen ihre Prüfung abgelegt haben. Es fing mit Batik Shirts an, die die Piraten erstellen mussten. Segelausbildung, Wasserschlachten folgten, der kräftige Wind legte sich Mitte der Woche. Nebenbei kommen abends noch einige Seeschüler.

Ein Besuch des Vogelschutzgebietes unter Leitung von Eva Witt, Kentertraining, Floßbau, Geschwaderfahrt nach Fehmarn und endlich die große Piratenralley. Hindernislauf, dabei ein Ei auf einem Löffel balancieren, ein Optischwert am gestreckten Arm halten, mit der Wasserpistole auf hoch gehängte Piratenteller zielen, Knoten in essbares Material, Schiffe zeichnen, dann kam die Schatzkarte. Am Strand wird eine Schatzkiste ausgegraben. Doch wüste Segellehrer/innen entwenden diese den Piraten, machen sich unter Paddel mit dem Floß davon. Sie haben aber nicht mit den entschlossenen Piraten gerechnet. Todesmutig stürzen sie sich in die Fluten. In einem erbitterten Kampf holen sie sich Floß und Schatz zurück. Am Lagerfeuer werden die Abenteuer verarbeitet, bevor der Film ihnen ein Denkmal setzt.

Am nächsten Morgen höre ich noch Stimmen, treffe auch noch auf zwei Personen, bevor meine wirbelnde Stöcke mich Richtung Seebrücke tragen. Erfrischt durch eine halbe Melone kann ich den Tag froh angehen.
Erste Amtshandlung: ich kröne Laura mit einem Gänseblümchenkranz 👸

22.07. Es brummt in der Segelschule!

57 Schüler fordern uns heraus – alle Menhire im Einsatz. Birthe und Jannis leiten die Jollengruppe, Jan die Auffrischler, Nikki die Gleiter, Melissa und Laura die Optis, Ulf unser toller Smutje sorgt für die Verpflegung, Lucia und Solveigh brillieren in der Campführung. Viele Schiffsführer werden gebraucht: Maddel führt die Pinne, Holger gibt Anweisungen, unser Goldschatz Birthe in ständiger Bereitschaft, selbst Lena, Sophia und Max mit dem Stein hinter der Ecke sowie unser Dieter sind mit von der Partie. An Bord bei mir: die Gewinner Isabelle und Farzad – Fotocontest – sowie Sven mit Esther.

Nach zwei Starkwindtagen mit Batiken, Kentern und anderen Wasserspielen, sowie einer geführten Wanderung an das Naturschutzgebiet mit Eva Witt, die einen Seeadler und einen Austernfischer hervorzaubert, geht es am Mittwoch gen Fehmarn. Nur die Optis bleiben zurück, können teilweise auch die Spriet im Segel einsetzen. Auf meinem Motorboot trainieren Vanessa, Fabian, Marcus und Emil. Abends gibt es parallel noch Sportboot See-Theorieunterricht. Abends bauen die Piraten ihr Floß, auf Wunsch von mir getauft auf den Namen: „Hak Fräse.“ sticht es mit viel Jubelschreien in See.

Nebenher laufen die Vorbereitungen auf die Prüfungen. Mehr als 45 Kandidaten wollen ihre Künste zeigen -  eine Megaaufgabe für die Scheinaussteller. Die Segelschule läuft – Heute werden die Piratenspiele beginnen – die Videoproduktion dauert seine Zeit.

18.07. Der Wind weht weiter!

Jubiläum und Geburtstag sind zurückbleibende Inseln auf dem Kurs in die Zukunft. Birthe betreut zwei Optikinder, Johanna und Kilian sind dabei. Laura und Dennis verbringen ihren Urlaub bei uns. In den Kursen tummeln sich viele Jugendliche. Nachmittags habe ich einen Binnenschüler für die Theorie, einen See-Schüler in der Nachhilfe und Dienstag vier neue Leute für die Motorenausbildung. Abends feiern wir ein wenig Geburtstag. Laura hat tollen Kuchen gezaubert, meine Segellehrer bewaffnen mich mit einer Überlebensausrüstung, Stanzerl wird mit mir Gyrocopter fliegen, Dennis vermacht mir ein Wörterbuch, das nie erschienen ist und verschwundene Worte an die Oberfläche holt.

Am Mittwoch segeln die Schüler unter Leitung von Jan und Holger gen Fehmarn. Dunkle Wolken lassen mich besorgt an sie denken. Doch es ist nur eine kurze Böenfront, die über das Wasser fegt. Wohlbehalten und erleichtert laufen sie wieder ein. Abends kommt auch Linda, die Manövertraining auf der Yacht „Steff-Steff“ absolviert, sie will zusätzlich Jolle segeln. Sie war schon einmal als Lehrerin mit Helga und einer Schulklasse bei mir. Sie bringt Ralf, einen Kollegen von der Yacht, mit. Gemeinsam kreuzen wir bei Ostwind in die Mittwochsregatta, handeln uns dort einige nervöse Kommentare ein – sind wir doch ein Störfaktor im heiligen Krieg der Regatta ☠️
Sophia –unsere neue Praktikantin- läuft ein. Mit ihr und Vanessa trainieren wir Motorenmanöver, Julia begleitet uns aus Interesse.

Wegen Windmangel wird Kentertraining angesagt. Abends sitzen wir mit zwölf Personen am Grill und spielen dann nach langer Zeit wieder Doppelkopf. Im Hintergrund laufen die Vorbereitung für die Piratencamps. Maddel repariert Gleiter. Sie müssen verschoben werden, damit wir Platz für die Zelte bekommen ...
Am Stegkopf gibt es einen Flaggenwechsel.

12.07. Das große Fest!

Bis zum Schluss habe ich an meiner Rede gefeilt. Was darfst Du sagen, in welcher Kürze liegt die Würze.
Während unten noch viele helfende Hände an den letzten Dekorationen und logistischen Feinheiten arbeiten, die Niklas mit Einsatzgruppen und -plänen gut vorbereitet hat, nehme ich am runden Tisch Platz. Meine Gäste: die Bürgervorsteherin, der Bürgermeister, der Vertreter des Segel- und Gewerbevereins. Als Blickfang habe ich den Schlangenschnaps auf den Tisch gestellt. Damit ergibt sich sofort ein Gesprächseinstieg.

Nach längerem Umkreisen kommt eine Probierphase, es folgt eine Erweiterung auf kühlen Weißwein ... ein wirklich sehr nettes Plauderstündchen über China, die Stadt und Döntjes drum herum ... mein Zahnarzt in dieser Runde überreicht eine gute Flasche Wein in einer Verpackung mit der Aufschrift: „Wein kann man auch ohne Zähne trinken!“ Zur Dekoration glänzt ein Plastikgebiss – Humor für den, der trotzdem hingeht. Vielleicht hätte ich schon viel früher an die Politik herangehen müssen ... der Bürgermeister – auch besorgt um meinen Flüssigkeitsbedarf – schenkt mir mit Widmung einen Comic über die Stadtgeschichte von Heiligenhafen. Den finde ich so gut, dass ich am Montag auch 20 Exemplare kaufe; an einige Freunde verteile und auch sonst promoten möchte, wenn auch Chartern und Segelschule durch die Maschen gefallen sind.

Aber, ich muss mich auch um die anderen Gäste kümmern, die immer wieder eintreffen. Stanzerl stellt Handlungsbedarf für mich fest, was sollen die Gäste machen. Ich schicke sie zum Segeln in der Bucht – ich möchte dort ein buntes Bild mit Jollen segeln, wer weiter raussegelt, ist ein Egoist. Hardy, mein Flaggenbeautragter, treibt das Volk aufs Wasser. Alf hat noch ein kleines Segelboot als optischen Leckerbissen auf den See gebracht. Luggertakelung, obwohl die Diskussion auch das Krabbenrigg schrammt. Fast alle gehen auf „Leinen los!“ Ein schönes Bild, dessen Rückkehr in eine Kuchenschlacht  - eine blaue 50ig – Himbeertorte von Astrid – Waffeln von Bettina – Häppchen von Ronja – ich bekomme immer nur kleine Ausschnitte mit, weil ich immer wieder von neuen Menschen vereinnahmt werde.

20 Minuten vor 18 Uhr kommt Shorty, unser Zauberer, der von Petra unterstützt, die Keulen schwingt, Luftballons in Wunschtiere verwandelt und die Diabolo fliegen lässt, bevor er zu meiner Rede überleitet. Zwischen zwei Lautsprechern, an denen das Bild meiner Eltern hängt, versuche ich einen Bogen zu spannen, von der Anfängen zur Gegenwart und in die Zukunft. über das Segelballett gelingt mir die Überleitung zur klassischen Musik: Opernsängerin Juli, am Klavier ihr Mann – Thorsten – und an der Geige: meine liebe Freundin Birthe.

Voller Inbrunst lausche ich, Stanzerl im Arm. Zuweilen wird geschunkelt. Tänzerisch brilliert Alf. Bevor ich richtig Luft holen kann, stehe ich in einem Pullover voller Orden auf dem Balkon, nehme eine Parade der Skurilitäten ab – vom Rüschenhemd bis zum Tierkopf wandeln sie an mir vorbei, fordern lediglich hoheitliches Winken.
Familie: Thomas, Benno und Ronja – sie bauen Brücken über Jahrzehnte, danke, dass Ihr gekommen seid.

Weiter geht es im Programm. Burkhard Pieske hält eine Rede, deren Quintessenz lautet: Segelschule Bennewitz, aufgrund seiner weltweiten Erfahrungen zeichnet sich durch Anarchie und trotzdem zielführende Ausbildung aus – möge ein Jeder seinen Schluss darauf ziehen. Plötzlich auf der Leinwand: Hanno in einer Liveschaltung vom Seenotrettungskreuzer. Zahlenspiele, der Inhalt unsere Bucht, wieviel Kubikmeter in Wein verwandelt, wie viele Jahre zum Verzehr werden benötigt, wenn 20 000 Schüler zugrunde gelegt werden – eine wunderbare Neuansicht eigentlich bekannter Daten. Zum Schluss verliest er noch wörtlich meine Antwort auf die Frage, welchen Wein ich denn am liebsten trinke.

Niklas und Jan haben ein Video vorbereitet, der Fernseher aus dem Schulungsraum hängt nun an ein paar Strippen von der Decke: die Segelschule – Luftaufnahmen – dann eine Rakete – die Schule explodiert, davor und danach Grußbotschaften der Charakter bildenden Segelschulgemeinschaft von Saza, Nele, Bambi, Volker bis zu unserem leicht rothaarigen, der mit Kind radelt und in die Kamera spricht. Es wird dunkel, die Landebahn – Stanzerls Werk – und die Lampions glühen – ein würdig Licht umspielt die Gesamtkomposition.

Shorty startet eine zweite Show mit lserlichtern aus dem Zauberstab, in dem Bilder der Segelschule auftauchen. Seid dem Morgen läuft eine sich wiederholfende Dia-Show, die aus 10673 Bildern besteht endlos über den Fernseher. Das Grillen hat gesättigt, der Kuchen, das Bier ist geleert. Alf spielt den Heiligenhafen-Blues, die Stimme Altwhisky von Andreas erfüllt den abendlichen Raum. So vereinnahmt nur wenig Kontakt zu den vielen Gästen, die mir für das Lebenswerk meiner Eltern und mir danken wollen, geboren auf den vielen helfenden Händen, deren Fäden ich in meinem Marionettentheater zu ziehen gelernt habe, nicht immer, aber immer öfter.

Eine wunderschöne Erlösung durchströmt mich. Soviel Lubhudelei, wenn ein büschen davon stimmt, kann ich ziemlich glücklich sein. Sollte ich Morgen abtreten, hätte ich einen Rucksack prallen Lebens im Gepäck, könnte dem Teufel ins Gesicht spucken ...

Am nächsten Morgen haben viele Heinzelmännchen fast alles wieder aufgeräumt ...
Herzlichen Dank sagt Euer Ralph !!!

10.07. Rede zum 50sten Jubiläum

Es ist der Versuch einen Regenbogen zu zeichnen, der von meinen lieben Eltern bis in die heutige Zeit reicht. Dieter, Freund der Segelschule, ist das lebende Zeitdokument:

1970 beginnt die Segelschule mit ihrem Betrieb an der Großenbroder Fähre. Schon im Folgejahr haben die Eltern das Gelände in Heiligenhafen gekauft. Jetzt muss die ganze Familie ran, es wird planiert, gepflanzt, die erste Hütte und ein Steg gebaut. Es ist Pionierzeit ohne Klo und Wasser, Holzpirat, Youngster, Trainer und 2 Menhire bilden die erste kleine Flotte.  

Vater übernimmt die weiterführenden Scheine, die Yacht „Donika“ wird gekauft. Jahrelang pflügt sie mit Schülern durch die Ostsee. In der Theorie liebt er besonders die astronomische Navigation, das „nautische Jahrbuch“ wird zu seiner Lieblingslektüre.

Am Markt 12  entsteht nach dem Krieg ein Fahrradladen, der eine Tankstelle folgt, die um eine Fahrschule erweitert und  mit einer Segelschule gekrönt wird. Heute ist dort wieder ein Fahrradladen – Benno schließt den Kreis.

Vaters legendärer Unterricht: Mit markanter Stimme wird sein Vortrag immer leiser, bis er mit Donnergetöse die Faust auf den Tisch schlägt. Fortan haben die Schüler, Angst einzuschlafen – so wird Spannung aufgebaut. Die Würze sind seine kleinen Abenteuergeschichten, die mit Seemannsgarn zu unglaublichen Kostümen anwachsen.

Mutter ist die gute Seele des Betriebes: Kundenbetreuung,  Behördenclinch, Telefondienst, Vorkochen für die ersten Törntage und nebenbei die Erziehung von drei nicht gerade einfachen Söhnen.

Mir obliegt von Anfang an die Jollenausbildung. Neben der Schule, die ich auch um zwei Jahre verlängert habe – Segeln war wichtiger– während der Bundeswehrzeit, wo ich auf Kosten der Offizierslaufbahn zwei Monate Sonderurlaub herausschlagen kann, neben dem Studium – will ich doch als Deutschlehrer nach China gehen – in den Semesterferien.

Dann kommt die Entscheidung, Vater wird krank, kann die praktische Ausbildung nicht mehr schaffen. Was soll ich tun, ich stehe wie Herakles am Scheideweg? Gegen alle Einflüsterungen breche ich das Studium ab, steige voll in die Schule ein, will sogar in Berlin eine Außenstelle errichten, die aber leider kläglich scheitert. Auch in Weißenhaus gibt es einen Versuch. Mit leicht gerupftem Gefieder geht es wieder zurück.

Zwischenzeitlich nehmen wir das Surfen ins Programm.
Irgendwann entscheiden wir aber, wir müssen konsolidieren. Die Yacht wird verkauft, die Surfausrüstung ebenfalls. Konzentration auf das Kerngeschäft mit Jollensegeln.

Eine gute Gelegenheit, Maddel zu danken, der durch seine jahrelange Treue und Beständigkeit die Segelschule mit aufrecht hält.
Applaus!

Aber es wird klar, der richtige Geschäftsmann bin ich nicht. So ist es schwer Rücklagen zu bilden, denn kleine Katastrophen gibt es immer wieder. Schon einmal haben wir den Steg in einem harten Winter verloren – meiner Mutter ist es zu verdanken, dass das Land 70% Beihilfe getragen hat.

Ein kleiner Orkan, wir mussten nachts alle Jollen über den blanken Beton nach oben an Land ziehen, dann kommen der Brandanschlag und der Bohrwurm. Doch hier greift das Netzwerk der Segelschule, viele Leute helfen unentgeldlich, weil sie sich verbunden fühlen, die Aura dieses Ortes spüren und die Art, wie wir hier leben.

Wir haben unseren Motorenmann, jahrelang unseren Klempner, unsere Grafikerinnen und Künstlerinnen, unsere Gärtner, unseren Hoch-Tief-Bau, unseren Metallmann, unseren IT-Vater und das legendäre Bergeteam, echte Allrounder mit Hang zur fleischlichen Gourmetküche, sie alle kümmern sich.

Es sind gewachsene, gelebte Strukturen, wenn die ehemaligen Optimistenkinder mit ihren Familien auftauchen. Die Omas und Opas Ihre Enkel anmelden und die vielleicht ihre Kinder. So muss ich mir sagen, ich – die Segelschule – bin die Summe aller helfenden Hände. Sie aufzuzählen werde ich mich hüten, die Angst, jemanden zu vergessen, ist zu groß. Ausnahme: ein Gedenken an Carsten, der in allen Widersprüchlichkeiten den Geist der Segelschule spiegelt.

Das Familienunternehmen wird in einen Einpersonenbetrieb überführt, nun müssen bezahlte Angestellte die Arbeit übernehmen.

Eine große Erfüllung habe ich mit Konstanze erfahren, bald sind wir 20 Jahr zusammen. Sie bringt sich ein, macht fast alles für die Segelschule, nur Ausbildung nicht.

Mit ihr geht es auch wieder im Winter in die Welt hinaus. Habe ich zuvor schon einiges von Europa gesehen, folgen nun Venezuela, Chile,  Türkei,  Florida und viermal China. Die Atlantiküberquerung -  2,5 Monate auf einem Schiff  - das Logbuch weist 5400 Seemeilen auf. Mit Konstanze geht es nun für drei Reisen in das südliche Afrika dann Ghana, Äthiopien, Myanmar und noch einmal China, nach Ecuador, Galapagos, in den Iran und Oman. Zwischendurch umrunde ich mit Atze vom Olifanten Kap Horn, erforschen dort mit unserem Skipper Hank die Fjorde und Gletscher.

Philipp möchte seinen Geburtstag mit Dennis und mir in New York feiern.  Weil ich vorher im Iran war, muss ich nun bei der amerikanischen Botschaft in Frankfurt vorstellig werden. Abenteuer Urlaub – hoffentlich bald nach Coronazeiten – es fehlt aber die Leichtigkeit im weit Verreisen ...

Natürlich denke ich daran, die Segelschule zu erhalten. Die Stadt hat mich in ein Sanierungsprogramm übernommen. Das bedeutet, ich darf große Veränderungen oder gar Verkauf nicht mehr ohne ihre Zustimmung durchführen. Wie soll ich das nur meinen Chinesen oder Saudis erklären?

Jedenfalls habe ich trotz der Coronaflaute zwei junge Segellehrer für drei Monate angestellt. Sie bringen frischen Wind in die Segelschule, treiben die Digitalisierung voran. Anmeldung per QR-Code und es gibt jetzt einen Online-Shop. Maddel und ich sind ja mit den Jahren Müde geworden – jetzt weht eine frische Brise, die mich motiviert.

Ich muss mich fit halten ... So schnappe ich jeden Morgen gegen 0500 Uhr meine Walkingstöcke und schwinge mich der aufgehenden Sonnen entgegen. Die halbe Welt habe ich so schon umrundet – meine Knie sind wieder einwandreit ... wäre da nur nicht die Pfeife und der trockene Weißwein – wer lebt denn schon ohne Sünde ???

Segeln wird bleiben!

Es hat gegenüber anderen Trendsportarten auf dem Wasser den sozialen Aspekt. Du kannst Leute mitnehmen, Du kannst andere Häfen/Länder besuchen. Du kannst still vor Anker gehen. Mit Deinem Schiff hast Du Dein kleines Schneckenhaus dabei. Die Bandbreite reicht vom Schrebergartenschiff bis zur verbissenen Regattaziege.

Unten auf der Lästerbank sitzen ja meine Muppets, wie ich sie liebevoll getauft haben. Betritt jetzt ein Kunde das Gelände läuft es wie in der Flenswerbung: der Kunde stellt eine Frage. Antwort: der Chef ist oben ...

Die neuen Lehrer lassen dem Kunden keine Zeit zu fragen. Die Abfangjäger sind schon in der Luft, fragen, ob sie helfen können. Ich sitze daneben, muss kein Wort sagen. Der Kunde geht zufrieden vom Gelände .... Das ist schon beeindruckend.

Mein größter Traum: ein Segelballett – zwölf Jollen sollen synchron segeln, windmögliche Figuren auf das Wasser malen. Verschränktes Kreuzen, die Welle vor dem Wind, Kentern, auf dem Schwert stehend grüßen und weitersegeln. Bilder einer Segelsinfonie, deshalb wird das Werk auch mit klassischer Musik unterlegt, womit ich den Stab an Birthe & Julia – Gesang, und Thorsten – Klavier, weitergebe.
Überleitung … 🎶

Ende

09.07. Vorbereitungen

Die ersten Gäste sind schon eingetroffen. Dabei möchte ich noch einmal auf den Geburtstag unseres Segellehrer² zurückkommen. Den ganzen Tag haben sie tapfer ihre Krone getragen. Am späteren Nachmittag am Geburtstagstisch, schneiden sie ihre Gurke an, der eine kleine Kuchenschlacht folgt. Clarisse und Manu haben sich alle Mühe gegeben, von mir bekommen sie eine Schachtel mit nützlichen Kleinigkeiten, inklusive Flautenschieber. Das Krönungspaar entschwindet mit seinen Untertanen auf die Ostsee. Das große Grillen bekommen Stanzerl und ich schon nicht mehr mit .…

Die Woche bleibt windarm mit anfänglich 19 Schülern. Holger und Dieter sind auch im Einsatz. Die Mittelmeerjolle wird verkuft, die ersten Käppis kommen an.

Am Donnerstag fahre ich mit meinem Chauffeur nach Eutin, die zweite Impfung ist angesagt. Mein Körper steckt sie bisher ohne Nebenwirkungen weg. Abends füllen sich die Bänke mit ersten Gästen: Ronny, Hobbit, Heaven, Henning, Heiko – schon einen Tag länger da – sie treffen alle wieder feuchtfröhlich aufeinander.

Heute ist Prüfungstag, parallel sollen die Dekorationen vorbereitet werden. An meiner Rede muss ich noch feilen. Der große Tag naht.

27.06. Prüfungen und Sommerwetter!

DSV und DMYV geben sich ein Prüfstelldichein. Kooperation nicht möglich, Fronten verhärtet. Die Grundscheinprüfungen werden schon am Vormittag mit Dieter verarbeitet. Alle bekommen noch ein Gruppenbild vom Kenterstart in ihre Führerscheinhülle. Die amtlichen Prüfungen schließen sich an, dann sind alle durch, die Stimmung ist gut. So sitzen viele an den Grilltischen, Marceline holt ihre Gitarre heraus, es wird lustig – Corona bedenklich - , da darf auch der Schlangenschnaps nicht fehlen.

Am Samstag übernimmt Jannis die Ausbildung für Sophia, Miriam und Norbert. Die Prüflinge versuchen sich bei Schwachwind im Lasern, Stanzerl übernimmt die Einweisung. Abends verabschiede ich Jannis, der seinen Urlaub mit viel Arbeit für die Segelschule verbracht hat – vielen Dank. Stanzerl probiert ihr neues Lasersegel aus. Die Pfadfinder gehen baden, genießen den kleinen Sommer im Wasser. Ihr Schiff ist ein Nachbau der America, einem berühmten Rennboot, das eigentlich als Lotsenversetzer geplant war. Dort arbeiten sie tagsüber, während sie des nachts in der Segelschule schlafen, zumeist im Freien.

Am Sonntag sind es 25 Personen. Sie hoffen auf einen Stapellauf in 14 Tagen. Gert ist zu Besuch, am Sonntag kommt leicht entrückt Steffi dazu. Niklas macht mit seiner Crew einen Ausflug in den Yachthafen, nachmittags gibt es ein Treffen am Dalben, Marcelin lässt ihre Gitarre dort oben ertönen. Maddel segelt zur Entspannung seinen Laser. Mit viel Begeisterung verabschieden sich die Schnupperer.

Am Stegkopf gibt es eine Flaggenänderung. Über der Türkei hängt jetzt Armenien. Stanzerl bricht mit ihrem Gummikajak zur Wagnitz auf, dort will sie mit Mareike und Stephan paddeln.

Für das Jubiläum bereite ich die Lampions vor, bestelle noch fehlende  Teile. Inzwischen rechnen wir am 10. Juli mit 60 Personen ……

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Aktuelles

 

Folgende Corona-Regeln sind zu beachten:


1.    Bei Anreise negativen Test vorweisen, nicht älter als „Antigen“ 24 und „PCR“ 48 Stunden
2.    Alle 72 Stunden neu testen:
https://www.heiligenhafen-touristik.de/wichtige-informationen/testmoeglichkeiten/
3.    Aktivitäten nur im Außenbereich, kein Aufenthalt in den Räumen-
4.    Registrieren: Luca oder Zettelbox!
5.    Maskenpflicht und Abstand
6.    Toiletten, Duschen Einbahnstraße!

Unsere Hygieneregeln!

 

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