27.06. Meine Welt von oben!

Am Montag stehen sechs neue Schüler vor der Tür. Nach kurzer Einweisung sticht Volker mit Hendrik, Mirjam und Thomas in See, während ich mich mit der Jugend umgebe, die Söhne der vorher genannten – Jasper, Justus und Jannis. Während der Ausbildung kommt Dennis mit dem Motorboot, überreicht mir ein Brötchen mit Krustenbraten. Nun heißt es Koordination: böenbedingt führe ich die Großschot, muss beim Wendeüben auch die Seite wechseln, gleichzeitig den herrlichen Geschmack genießen und Anweisungen geben. Letztendlich wird nur ein kleines Stück der See übergeben. Nachmittags fiebre ich dem Ende entgegen, denn inzwischen habe ich Termin gemacht.

In Grube wartet der Gyrokopter auf mich – Stanzerls Geburtstagsgeschenk vom letzten Jahr. Dennis bringt mich hin. Nach kurzer Bemerkung über meine kurzen Hosen, steige ich vorsichtig in den Leichtbau, bekomme einen Helm auf den Kopf, Mikrofon für die Sprechfunkverbindung vor den Mund. Dann geht es schon los. Der Motor muss sich warm laufen – der Pilot erkläre mit die Geräte, wir besprechen die Route. Die Kamera ist bereit. Da wir gegen den Wind starten, brauchen wir nur eine kurze Startbahn. Wir haben horizontale Flügel für den Auftrieb und einen vertikalen Propeller für den Vortrieb. Beides wird zunächst durch den Motor angetrieben, dann aber werden die horizontalen Flügel ausgekuppelt und nur noch durch den Wind angetrieben.
Schnell verwandeln sich die Landschaft, die Gehöfte und kleinen Städte in eine Spielzeugwelt, wie ich sie noch aus den Eisenbahnplatten meines Vaters kenne. Welch ein Glücksfall, haben wir doch eine Fernsicht bis ca. 100 km – blauer Himmel und gesprenkelt mit kleinen Wolkenformationen. Fehmarn in Sicht, die Brücke und das Meer. Faszination – das Wasser erscheint statisch, allein die Surfer und Kiter wirken bewegt. Vielleicht liegt es daran, dass die Wellen kreisförmige Rotationen vollziehen, ihren Impuls nur an die nächste Wasserteilchen weitergeben. Verzweifelt schwenke ich die Kamera von einer Seite auf die andere, möchte ich doch diese tollen Bilder festhalten für die Ewigkeit. Das Spiel der Reflektionen wirken zuweilen surreal.

Heiligenhafen: die Seebrücke, das neue Dorf mit den beiden Hotels, der Yacht- und der Fischereihafen und endlich – die Segelschule. Ernüchterung bei der späteren Sichtung der Fotos: alle Zoomaufnahmen sind unscharf, zu stark ist wohl die relative Bewegung bei einer Entfernung von ca 300m über dem Grund. Flachwasser sieht von oben allerdings sehr scheckig aus, der Grund wird sichtbar, während über den tieferen Teilen die Reflexionen Gemälde schaffen. Die Steilküste können wir leider nicht anfliegen, weil die Sicherheitsvorschriften bezüglich der dortigen militärischen Übungsgebiete dies verbieten. So bleibt – ich habe einen Gutschein über 90 Minuten – noch Zeit für Fehmarn: die Brücke, Orth, Lemkenhafen, Burgtiefe, Puttgarden und die vielen Felder, deren gerade Einteilung auch vom Piloten kommentiert wird, die Technik hat auch hier ihren Einzug gehalten.

Zum Schluss geht es noch einmal nach Heiligenhafen und zur Segelschule. Das nächste Mal werde ich das Wasser um den Steg azurblau streichen – doch so ist es wirklich – von oben! Dann habe ich fast alles gebannt: den Markt, die Hafenkante, den Kreisel vor der Einfahrt – vergessen habe ich nur eine Aufnahme von der Dalbenbucht – schon ein Vorwand, diesen Flug zu wiederholen oder an liebe Menschen, die diese Gegend kennen, zu verschenken.

Danke Stanzerl – ein tolles Geschenk, dank Beratung durch den Piloten auch mit Wetterglück zum Glanze poliert räkle ich mich wohlig in der Erinnerung. Ein technischer Mitarbeiter des Flughafens, der aber auch viel mit Zuggeräten und Wohnwagen zu schaffen hat, in seinem Leben auch den Segelbooten verhaftet ist, fährt mich nach Hause. Fast alle Bootstypen, die er erwähnt, kenne ich, so ergibt sich ein ertragreiches Feld von Klönschnack aus Austausch, das wir mit einem Kaffee bei mir ausklingen lassen. Was für ein gelungenes Unternehmen – danke Stanzerl !!!

26.06. Abreise und Sonntagsspiele!

Die Waldörfer bereiten ihre Abreise vor, es nieselt. Reinhard und Rebecca  leiten die Gruppe mit Bravour. Der Bus kommt, ein Abschiedsphoto, dann gibt mir jeder Schüler die Hand, adieu ....

Ich wende mich Steffi und Daniel zu, die das BüB trainieren sollen. Volker segelt mit Aleksej und Andreas. Julian will etwas bei Flutschfinger laminieren – das Harz wird aber nicht hart. Ich bringe das Long-Boat ins Spiel. Christian wird sich um den Mastrohling kümmern. Mit Dennis checke ich die Ruderanlage von Vera, er wird auch die schöne Pinne anbringen. Peter und Stefan segeln auf der Möwe – böiger Westwind mit starken Böen. Jan bringt seine Mutter aufs Gelände – sie wird vier Wochen bleiben. Cata backt einen Nutella-Kuchen. Matthias bringt ein Standup-Board, Grund für Stanzerl und Dennis, den Neo anzuziehen – viel Spaß und natürlich der Kopfstand. Abends gibt es lecker Cata-Pizza, bevor wir mit den Verbliebenen eine schöne Runde Doko spielen.

Zwischendurch wurde die Webcam wieder angeschraubt und dank neuem Netzteil wieder online gestellt. Jetzt ist das Bild wieder aktuell!

25.06. Waldorf, die zweite Hälfte!

Nach der Grundscheintheorie rufen wir zum Kenterspaß ... die Bilder zeige ich später auf dem Monitor, doch Dringenderes lenkt ab. In den Schulungsraum läuft Wasser aus dem Duschbereich. Die Dauerbenutzung für Mensch und Neo führt zur Überlastung. Mit Björns Hilfe checken wir alle Abflüsse ...

Der Donnerstag kommt grau und windig. Sieben von zweiunddreißig wollen sich der Prüfung stellen. Mit Sturmgroß geht es in die Kreuz ... .sie schaffen es. Parallel trainiert Steven mit Björn, beide wollen am Freitag die Prüfung für den Sportbootführerschein Binnen ablegen, doch Björn hat vergessen, seine Unterlagen einzureichen. Am Abend sitze ich mit Dennis bei Holzfeuer auf der Terrasse. Er nimmt auch am Freitag die Prüfung für den Grundschein ab, später kommt Axel hinzu, um bei Steven die amtliche Prüfung durchzuführen. Rebecca unternimmt mit den Schülern eine Wanderung zur Steilküste. Unser Maddel repariert die Pumpe, beseitigt Ablagerungen an den Schwimmern. Abends treffen Stanzerl, Cata und Christian ein – Herr D. lädt zum Burgeressen für die gesamte Meute – ca. 40 Personen.

Am Samstag fährt die Schulklasse nach Fehmarn. Volker übernimmt zwei Schnupperschüler, die sich bereits eine „Fam“ gekauft haben, und nun lernen wollen, wie damit umzugehen ist. Ich übernehme vier Well-Sailing-Schüler, die ihr zweites WE bestreiten wollen. So sitze ich mit Daniel, Ronald, Martina und Anne bei Sturmsegeln auf dem Menhir, um die Halse zu üben. Cata und Christian bauen ihren Katamaran auf. Peter kommt aus Lüneburg, im Schlepptau Stefan, ein Freund, der wohl früher viel gesegelt ist. Abends wird gebeefert.

Am Sonntag Morgen walke ich gegen 4 Uhr bei verhangenem Himmel um den See, treffe auf der Seebrücke Rebecca und einige Schüler – leider kein Sonnenaufgang, nur ein ganz kleiner roter Punkt im Himmelsgrau zeigt den Tag an.... Die Gruppe reist jetzt ab...

22. 06. Die Waldörfer

32 Schüler aus Tübingen mit den Lehrern Rebecca und Reinhard sowie zwei Oberstufenschülerinnen, die schon vor einigen Jahren bei uns waren haben ihre Zelte aufgeschlagen. Am Montag können wir mit acht Schiffsführern aufwarten: Dieter, Claus, Matthias, Manfred, Björn, Maddel, Volker und ich. Nur leichter Wind bewegt die Boote, so ist es gut, dass am Dienstag der Wind auf 3 bis 4 Bft zunimmt. Nachmittags unternehmen wir einen Ausflug zu Osttonne, wo die Welle die Kinder beeindruckt, hoffentlich auch etwas Respekt schafft. Für die Duschen ist inzwischen ein Thermostat eingesetzt worden.

Am Abend spielen wir mit Andrea, Jean, Stella und Matthias Doppelkopf, es wird allerdings etwas frisch im Freisitz. Dummerweise vergesse ich den Müll. Jetzt müssen wir improvisieren, denn in 14 Tagen ist die nächste Schulklasse bei uns. Am Mittwoch halte ich eine Ansprache: unsere Ansprüche bei einer Grundscheinprüfung: sie führt dazu, dass die Gruppe sehr überschaubar wird. Einige steigen auch während der Theorie aus, weil sie keinen Bock auf den Stress haben.

Nachmittags trainieren wir den Prüfungskurs, wobei die Nichtprüflinge nun zunehmend lustloser reagieren. Zwei Chaoscrews rammen die Optiinsel derart vorsätzlich, das ich sie zusammenstauchen muss. Eigentlich wollen wir am Donnerstag nach Fehmarn, doch die Gewittervorhersage verhindert es, der Regen kommt dann auch gerade, als wir die Boote klarmachen wollen. Bei Fastflaute treiben die Boote eine Runde in der Bucht, bevor der Dauerregen einsetzt. Doch am Nachmittag zeigt sich wieder die Sonne, die nächste Front soll erst am Abend kommen.

19.06. Die einen gehen, die anderen kommen…

Dazwischen liegt eine schöne, kleine Ruhephase. Am Freitag segelt Bad Pyrmont noch bis 11 Uhr, dann setzt sich der Bade- und Spieltrieb durch. Mit Henning gibt es Konfirmationsgrillwürste und Salat, Björn fügt einen Kartoffelsalat hinzu.

Der Samstag beginnt windig, gegen 5 Uhr sehe ich die ersten Surfer in der Welle. Die Badeplattform der Seebrücke wird von den Wellen malträtiert, ein kleines Teil löst sich. Henning und Björn gehen segeln ... Laura, Stefan, Max und Jan besuchen uns. Stanzerl hat ein Date mit Max auf der Möwe. Später weiß er nicht genau, wie er es finden soll – zu groß zu schnell. Mit Henning brechen wir zu einem kleinen Spaziergang zur Seebrücke auf, dort gibt es nach Stanzerls Meinung das beste Eis. Wir bewundern auch den barrierefreien Zugang zum Beach Hotel. Am Hafen nehmen wir die Pinguin in Augenschein – sie wartet auf eine Hardy-Scheibe – dort lesen wir auch die liebevolle Beschreibung eines Admirals Cuppers for sale.

Wir bereiten uns auf die Ankunft der Schulklasse vor. Volker verstärkt uns in der Ausbildung. Letzte Wäsche wird gewaschen, Hand- und Geschirrtücher zusammen gelegt. Steffi putzt das Bad. Die Werkstatt muss aufgeräumt werden, nach getaner Arbeit platziere ich einen Kaktus auf der Werkbank. Einkäufe für die Schulklassen, letztlich vergesse ich das Brot. Maddel und Stanzerl gehen dann doch noch ein wenig segeln. Sabine und Lothar, Julian mit Freund, Volker und Björn sowie Henning mit einer Kollegin legen ebenfalls ab. Arrival: die Schulklasse landet mit ihrem Bus. 32 Schüler bauen ihre Zelte auf, nachdem wir zuvor noch einige Boote verrückt haben. Die Tür im Bad wird verschlossen – Trennung von Männlein und Weiblein. Der Notdienst kommt, damit die Temperatur des Duschwassers reguliert, Verbrühungen vermieden werden. Sie gehen baden, das heißt vornehmlich die Damen geben sich dem kühlen Nass hin, während die Jungs den Stegkopf bevölkern. Björn erlebt eine etwas unruhige Nacht, eine Schülerin hat Geburtstag, ein gewisser Lärmpegel ist die Folge. Ich schlafe bis in die frühen Morgenstunden, unten wird zum Frühstück gedeckt. Die Firma Richter liefert 20 Rammbretter – der Tag kann beginnen. 

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