14.06. Allein mit Annabell!

Nachdem ich am WE meine drei Damen in einem seglerischen Reifungsprozess habe erblühen sehen, haben wir mit Anita und Alf ihren ersten Hochzeitstag gewürdigt. Genau vor einem Jahr haben sie in der Segelschule das kirchliche Ja-Wort einander gegeben. Am Abend bringt Anita Alf und zwei weitere Leute nach Kiel. Hier werden sie ein traditionellen Fischkutter übernehmen und nach Heiligenhafen überführen. Der Westwind treibt sie – zwei Schothörner reissen – eine Patenthalse – jetzt liegen sie sicher auf der Slipanlage von Holger.

An diesem Montag schalte ich von 40 auf einer Schülerin herunter – Annabell – unsere dritte Solokünstlerin in diesem Jahr. Westwind drängt nun böig in die Segel. Wir wagen uns kurz zum Dalben. Auf der Rückkreuz Perlenkette von vorn und achtern. Düse – plötzliche Windabdeckungen – da gilt es unter Sturmsegeln auf wenige Meter Fahrt zu machen, um die Wende zu schaffen. Werftseitig kreuzen wir auf engstem Raum – einige Yachten zollen dem kleinen tapferen Menhir, der seine Luvmeter erkämpft, Respekt. Der Himmel belohnt uns mit Sonnenschein. Meine Schülerin zeigt sich erfreulich gelehrig – ihre kleinen Waterloo-Punkte: Klampe belegen, ein Muster, welches sich ihr nicht erschließen will. Wahre Wunderwerke zeigt sie bei der Vergewaltigung des Kreuzknotens – habe ich in 48 Jahren Segelschule so noch nicht erlebt.

Am Dienstagnachmittag segeln wir in den Yachthafen,  die Yacht ihrer Eltern liegt dort. Wieder die Herausforderung aus den Sturmsegeln in kürzester Zeit Fahrtpotential für die Wende zu erwirtschaften – Windlöcher und Kurzböen geben den Takt an. Zwischendurch entwickele ich den Aufgabenbogen für die Nachprüfungen durch Maik in Lüneburg. Der See mit acht Stegen mit Aufschießerkalkulation unter der Verwendung der Begriffe: anluven, abfallen, die jeweiligen Segelstellung unter der Berücksichtigung der Notwendigkeit zu Wenden oder zu Halsen. Dazu kommt noch eine kleine Ausweichspezialität und eine Verständnisfrage bezüglich Stellung der Segel und Kursänderungsverständnis. In der Praxis zigmal Vollzogenes in die Zeichnung umsetzen – Überbau im Sinne der Nachhaltigkeit ‡).

Abends erholen sich Andrea, Jean, Matthias – kurz auch Marina – beim Doppelkopf. Maddel zieht sich leider früh zurück – Sonne und Wind erzeugen eine gute Müdigkeit. Wir spielen bis kurz vor Mitternacht. Andrea erstrahlt in einem bombastischen Punktestand. Eine Serie von durchgehenden Herzstichen spottet jeder Wahrscheinlichkeit. Eine stille Hochzeit musste ich, da Jean schmeißen will, in ein Trumpfsolo verwandeln. Zweimal gibt es die 30-iger-Falle. Ich freue mich für Andrea ...

Am Mittwoch bleibt mein Blick aus dem Fenster an den Menhiren hängen: wer treibt dort um 0830 Uhr sein Unwesen? Es ist der Holger aus Lübeck, der nach längerer Zeit wieder als Schiffsführer helfen will. Welch ein Wandel – kann ich doch nun die Schülerin auch richtig beobachten, denn Holger will, um wieder hereinzukommen, den Tag mit uns verbringen. Zum Vormittag serviere ich die Halse, am Nachmittag kommt das „BüB“ als Dessert dazu. Chile wird ca 50 Mal gefischt. Zuweilen wird das Abfallen durch kurzfristiges Anluven getarnt, die Kuhwende in eine verständnislose Halse verwandelt … es dauert. Doch als ich endlich von Bord gehe, funktioniert es besser. Ich denke: das ist es, das Ausprobieren, denn meine Anwesenheit übt einen Druck aus, so finden die Manöver aus dem Fenster meines Büros betrachtet Anerkennung. Das Schöne ist, sie will lernen, Holger will sich wieder einspielen, das macht schon Freude … doch musst Du Dich auch zurücknehmen, um Entwicklung zu zulassen.

Nebenbei – ein Verleih! Familie hat schon mal bei uns gesegelt. Frage: wo dürfen wir segeln. Meine Erinnerung hakt: na, ja – bis zum Dalben, Fehmarn verbiete ich. Um 14 Uhr Richtung Insel starten. Mißtrauisch verfolgen wir den Start der vierköpfigen Crew. Meine Telefonnummer haben sie eingespeichert. Mit dem Fernglas beobachte ich ihre Wenden. Schon bei halbem Wind killen die Segel – das kann nichts werden. Einige Zeit verbringen sie auf Grund. Nach zwei Stunden klingelt mein Telefon – sie schaffen die Kreuz zurück nicht. Also rausfahren, auf den Haken nehmen. Holger ist so nett, das Schiff mit den Leuten zu klarieren. Im Nachhinein ärgere ich mich, hätte ich sie doch vorher auf einen Übungsschlag in der Bucht verpflichten sollen. Holger kündigt sich für den nächsten Tag wieder an, so kann ich mich um das Büro kümmern, wo beständig Anfragen eintrudeln ....

10.06. Die erste Schlacht!

…ist geschlagen. Leicht böiger Westwind treibt zehn Menhire, 37 Schüler und 11 Helfer an. Fine bei mir an Bord, vier Schülerinnen üben Kurshalten, Vorwindkurs und Kreuzen … nachmittags lässt die Konzentration dann schon merklich nach – die Theorie im Freisitz zerbröselt in der Ablenkung. Das Klarmachen der Schiffe zieht sich hin. Maddel schnappt sich meine Damencrew, während mir ein Problemschiff bleibt: drei Jungs, die sich vehement im Weg stehen, können erst nach einer Stunde auf die Bahn gebracht werden. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit und pädagogische Taubheit fordern mich heraus …

Am Dienstag fahre ich mit dem Motorboot Sicherung – die Theorie läuft komplett in einem Raum. Nach 16 Uhr wollen einige noch segeln – ich freue mich über das Engagement, erkläre die Windsituation am Steg. Doch dann werden meine Nerven strapaziert – mit dem Ausdruck größter Unschuld krachen zwei Menhire gegen den Steg. Sie sollen die Manöver gleich wiederholen.  Molenlieger – Vorliek des Großsegels wird nicht in den Mast eingeführt es reicht – ich breche die Ausbildung ab ….

Am Mittwoch beruhigt sich die Lage, die Theorie wird ausgebaut – zwei Stunden lang wiederholt Maddel fast den gesamten Stoff. Maddel und Jan arbeiten noch direkt an Bord. Jan verlängert extra um einen Tag, nimmt dann als Bonbon auch noch nacheinander einige Jungs auf den 470iger mit. Trotz aller Appelle wollen die Schüler Grundscheinprüfung machen. Maik gibt sich voll in diese Aufgabe, möchte seine Gruppe nach vorne bringen.

Am Freitag übernimmt Herr Dennis die Begutachtung der gewonnenen Fähigkeiten. Es zieht sich hin, nachdem drei Gruppen ihre Theorie geschrieben haben, nehme ich die Knoten ab. Just in der Zeit schläft der Wind fast ein. Er kommt erst wieder am Ende der Prüfung, ich nutze es zur Wiederholungsprüfung von zwei Wackelkandidatinnen. Leider fallen viele in der Theorie durch, einige müssen sich auch einer Nachprüfung unterziehen, die Maik aber in Lüneburg machen wird. Erschreckend oft wird angekreuzt, dass der Wind beim Segel setzen von hinten kommen soll, der Unterschied zwischen Wende und Halse, die Abfolge beim Ablegen, die Ausweichregeln ….

Eine anstrengende zum Schluss aber auch erfreuliche Woche geht zu Ende. Für den fleißigen Prüfer gibt es Steakstärkung. Zuvor hat er sich noch mit einigen Schülerinnen fotografieren lassen, die sich auf den Laufsteg des Flirtens begeben haben. Am Samstag betreue ich drei Damen auf dem Menhir, nehme am Vormittag einen zukünftigen Hilfssegellehrer mit und am Nachmittag Rolf, der eine Reviereinweisung bekommt. Flutschfinger ist zum Sonnenaufgangssegeln mit Hobbit, Flo und Steffi unterwegs gewesen. Dennis führt das Long-Boat aus und stellt seine Aufenterfähigkeiten unter Beweis, während Stanzerl im Kajak einen rosa Flamingo kapert ....

25.05. Ein flautiger Morgen!

Erschrocken stelle ich fest, die Badeplattform ist besetzt. Zwei Männer, zwei Flaschen Bier, wahrscheinlich war auch noch eine Frau dabei, die mir am Anfang der Brücke entgegen kam. Ich gehe also in meine Übungsstellung, sehe ich doch einen großen Strahl, der im Bogen von der Plattform ins Blaue schießt. Endlich machen sich die Männer auf den Weg. Es ist 0530 als ich meine Sonnenbegrüßungsrituale an meinem Lieblingsplatz machen kann. Zurück ist auch schon Stanzerl auf: gleißendes Licht und Vogelgeräusche haben sie geweckt.

Hinter mir liegen 3,5 Tage Einzelunterricht. Unzählige BüB’s mit St. Lucia auf Motorboot und Ghana auf Merkur später kommt am Freitag die Prüfung: sie macht SBI und See, ist gut vorbereitet und motiviert. An Hand der Karteikarten gehen wir schwierige Fragen durch – es geht um Begrifflichkeiten ... Zwischendurch kommt ein Paar mit einer kleinen Jolle,  die Hilfe beim Aufriggen brauchen. Mit zwei Kindern sitzen sie nach einer Weile im Boot, können nach mühsamen Start einige Schläge in der Bucht machen. Dann kommt der frische Wind aus Ost. Wir setzen jetzt Sturmsegel, mein Knie meckert bei den Wenden. Wind und Sonne lassen mich abends müde in die Welt schauen.

Axel ist von der Prüfung angetan, gute Kreuz, sichere Kommandos, gute Halsen, gelungenes BüB bei Welle – meine Schülerin wird den Anforderungen mehr als gerecht. Heute muss sie in Lübeck ihre See-Theorie schreiben. Hoffentlich kommt sie wieder, um die Möwe und andere Jollen zu segeln – sie hat Talent. Abends kommen Henning und Micha, die auf Törn gehen wollen, Stanzerl gesellt sich zu uns – nach Grillgut und Weinprobe liegen wir lesend im Bett.

03.06. Ostwindlage

Schnupperleute am Wochenende. Dieter und Maddel sind im Einsatz, frische Winde bringen gute Erfolge. Drei Damen aus dem Hamburger Raum, ein Pärchen und zwei stattliche Herren aus Fehmarn. Am Montag gibt es wieder eine Überraschung: Anna kommt als Einzelschülerin – von Franky empfohlen. Sie hat nun abwechselnd einen Maddel- und einen Ralphtag. Der Oster baut sich nachmittags immer auf, in der Düse an der Werft und vor der Brücke verschärft er sich – dabei immer die Sonne ....

Am Donnerstag geht es in die Welle, gemeinsam mit den Yachten, die für die SKS-Prüfung üben, kreuzen wir Richtung Osttonne. Zwischen den Zeilen der Tage entsteht der Boden für das Optizelt. Große Hilfe kommt von Heiko, der mit Blumen eingelaufen ist. Parallel hole ich das Zeltgestänge aus dem Schlafraum. Es ist ja nummeriert, doch die Logik, von mir vor Jahren entwickelt, will sich uns nicht erschließen – erst Maddel kann das Rätsel lösen.

Am Freitag segelt er mit Anna nach Fehmarn – die Alternative „Kentertraining“ wird umschifft. Auf dem Rückweg bricht der obere Mastbolzen, die Oberwanten fallen aus – doch glücklich laufen sie wieder ein. Abends zaubern Henning und Micha einen Spargelsalat, wir essen Reste von ihrem Törn, der bei dem Wind gut gelaufen ist.

Am Samstag sitzen fünf Schüler vor mir. Ich segle zunächst mit einer lustigen, aber pädagogisch fordernder Damencrew. Büb ist angesagt. Anna ist vormittags mit dabei, nachmittags wechselt sie zum Segelverein – Warderregatta. Später kommt sie wieder zu uns, Kentertraining ist angesagt. Nils ist mit einem Jungen zu Besuch, der Kameraführung lernen soll. Er geht auch mit an Bord der Möwe. Hier zeigen sich die Grenzen der Kondition. Ähnliches Manöver vollziehen Antja und Hans, den Menhir vor Anker, versuchen sie vom Wasser aus an Bord zu klettern. Inzwischen steht das Zeltgerüst, das neue Dach passt. Laut Maddel nicht, weil es viel zu sauber aussieht, verglichen mit den anderen Planen.

Abends gibt es Heikonische Gemüsepfanne – sehr lecker – danke! Am nächsten Tag stellt sich heraus, das neue Dach ist doch anders, die Seitenteile können nicht angehängt werden, so muss das Alte auf das Neue ... Heute segelt die Hamburger Kentercrew auf der Möwe – die Damencrew erfährt eine Einweisung auf dem Motorboot, legt dann mit dem Menhir für den Übungskurs ab. Julian bastelt an Flutschfinger, ein Verleih geht raus. Antje und Hans segeln gen Fehmarn – gerade laufen sie am Steg ein.

Erste Vorboten der Schulklasse, Dennis legt mit seinem Bulli an, Stefan, den wir über Peter kennen, kommt als Begleiter der Waldorfschule, die erst gegen 19 Uhr eintreffen wird. Langsam habe ich genügend Schiffsführer beisammen, wenn denn alle kommen, denn Morgen müssen 10 Menhire in den Einsatz. Zuvor folge ich mit Dennis einer Einladung von Fine, die auf dem Graswarder zum Essen geladen hat.

22.05. Pfingstmontag

Der Ostwind baut sich langsam auf. Chaos beim Ablegen der Möwen. Zu wenig  Schwert, zu wenig Leekrängung, die Segel zu dicht. Besonders die Sturmsegel verzeihen das nicht – Querlieger am Steg. Im Westen nichts Neues, wer den Menhir nicht ganz in den Wind bringt, beutelt den Steg, wer den Aufschießer zu eng fährt, bleibt vor ihm stehen, driftet mit Glück noch hin oder fällt zur Landseite ab. In einem Fall kommt es zur Pfahlhalse, die Großschot verklemmt dort. Wir kommen jedoch ohne Molenlieger davon.

Es ist aber auch der Laserwind: Gerd segelt an seine Grenzen und darüber hinaus, Dennis , Stanzerl, Maddel, Mareike und Stephan preschen durch das Blau des Wassers. Die Menhire mit Normalsegeln können sich kaum noch aufrecht halten. Herr Dennis verbringt mit Helfern seinen Kat an den Steg. Dazu Sonne, Sonne, Sonne …..

Abends sind die Helden dann müde – der weiter auffrischende Wind heult in den Bäumen, gibt ein Pfeifkonzert im großen Yachthafen, die Masten der Yachten bilden die Orgelpfeifen. Eine schönes Pfingsterlebnis. Mit leichten Winden beginnt es, baut sich langsam auf.
Kentertraining, Fehmarntörn und eine kernige Brise zum Abschied. Optimales Wetter und dank Dieter, Maddel, Folker, Julian, Dennis und Heaven klingt in schöner Atmosphäre der Montag aus.

Unterkategorien

Segelschule Ralph Bennewitz | Kapitän-Nissen-Straße 3 | D-23774 Heiligenhafen | segelschule(at)bennewitz.de | Fon 04362 - 2244 | Fax 04362 - 5292