21.05. Saisonstart

Mit fast zwanzig Prüflingen für den Sportbootführerschein See beginnt die Saison. Viele Stunden verbringe ich auf dem Motorboot, Navigationsnachhilfe. Leider fallen vier Leute in der Theorie durch – ich denke über weitere Konzepte nach, die dem Ankreuzverfahren gerecht werden können.

Ostern zeigt sich nass und kalt. Doch dann kommt eine gute Wetterperiode, die bis Heute anhält. Erste Schnuppersegler und eine kleine nette Studentencrew aus Darmstadt bringen Leben in die Schule. Ende April kommt die Segelsparte des FC St. Pauli – Henning ist als Fan dabei – hilft mir sehr viel. Im Mai kommt Sonja mit ihrer Schulklasse aus Lüneburg, zwanzig Jugendliche wollen in fünf Tagen den Sportboot Binnen erwerben. Sehr viel in kurzer Zeit, das bedeutet Stress und Überstunden, ich frage mich, ob die Schüler nicht mit einem Grundschein besser bedient wären.

Für den ersten Tag kann ich genügend Schiffsführer finden, die Schwachwindlage unterstützt den Einstieg … Maddel, Dieter, Henning, Julian und Johannes sind dabei …. Nach der Prüfung kommen ein paar ersehnte ruhige Tage. Maddel bringt fleißig einen Menhir nach dem anderen und einige Möwen zu Wasser. Ich schleife an einem Tag acht Unterwasserschiffe und streiche sie am nächsten Morgen. Meine Füße sind blau, durch die Schuhe und Socken ist der Staub bis auf die Haut gedrungen. Langsam nehme ich meine Walkrunden wieder auf. Der Besuch bei einem Schmerztherapeuten in Hamburg hat geholfen.

Der Steg füllt sich, Flutschfinger, Lothar, zwei Motorboote drängen sich auf der Westseite …. Christian will Gelbfieber wieder zum Segeln erwecken … Pfingsten strömen 25 Osnabrücker in die Schule. Nach ersten Einweisungen und Kentertraining haben wir Gestern einen Fehmarntörn gestartet, mit dabei das Long-Boat unter Segeln. Herr Dennis hat dem Boot wieder Leben eingehaucht – er schnitzt einen Besanmast und –baum, dessen Segel für einen See-Kurs bei einem Segelmacher entsteht. Mit sechs Menhiren gehen wir an der Mole von  Orth vor Anker. Auf dem Rückweg belebt sich der Wind, wir landen bei strahlend blauem Himmel an.

20.05. Sri Lanka

Mitte Januar brechen Stanzerl und ich Richtung Sri Lanka auf. Wir besuchen Mirja und Felix in Colombo, reisen per Bus, Bahn und Tutuk zu unserem Strandziel. Die Unterkunft liegt direkt neben einem Windrad, die hier die Gegend bevölkern. Delfintour schließt sich an. Die folgen den Thunfischen, so jagen die Touristenboote rücksichtslos über die Wellen, fragen zwischendurch die Fischer. Steißbein und Rücken freuen sich. Dafür erleben wir einen großen Schwarm der silbernen Sympathiefische. Weiter geht es zu einem Baumhaus, das vor einem solchen steht.

Mit dem Jeep geht es auf Safari: Elefanten, Büffel, Krokodil, Schildkröte und wir haben das Glück, einen Leopard zu sichten. Im Norden wohnen wir in einem indischen Hotel, das Gebiet der Tamilen, die dem verschnörkelten Hinduismus frönen. Er passt in die Buntheit, die wir hier erleben. Selbst die Tuktuks sind maximal geschmückt und verziert. Die heiligen Kühe werden verehrt, sie dürfen sogar in die Geschäfte hinein. Wir wollen eines der Forts besichtigen, die hier an der ganzen Küste verteilt sind. Portugiesen, Holländer und Engländer haben sich die Klinke in die Hand gegeben, Spuren hinterlassen. Von dort geht es in das Hochland, eine alte Kaiserstadt wollen wir erleben.

Unsere Unterkunft gehört einem deutschen Affenforscher. Wir sitzen direkt am See, wo uns zwei Elefanten erscheinen, die von einer Insel aus Richtung Land geschwommen sind. Sie sind zu einem Problem für die Bevölkerung, weil ihr Nahrungsbedarf auch vor deren Feldern keinen Halt macht. Fast überall sind deshalb Elektrozäune gespannt. Die Affen, die besonders in den kleinen Läden klauen, versuchen die Leute mit Böllern zu vertreiben, neben dem allgemeinen Hundegebell ein weiterer Grundton, der uns an die Ohren spült. Glücklicherweise besuchen wir die Ruinenstadt am früheren Morgen – so entkommen wir den Scharen der anderen Besucher. Immer wieder kehrendes Bild: Mönche in orange oder burgunderrot zwischen den Zeugnissen der Kaiserzeit. Doch schon vor 1000 Jahren haben die Regenten erkannt, wie wichtig die Wasserversorgung ist. Bis Heute gibt es über 16 000 künstliche Seen, die in der jeweiligen Regenzeit das kostbare Nass aufnehmen, so die Reisernte auch verdoppelt haben. Viele alte Anlagen scheinen auch Heute noch zu funktionieren.

Eine Elefantensafari: wir sehen eine ganze Herde, es sind aber nur wenig Stoßzähne zu sehen. Durch die intensive Bejagung sind sie quasi weggezüchtet worden. Der Rüssel, die verlängerte Nase, verfügt über mehr als 40 000 Muskeln, dient als Tast- und Riechorgan, deren Fähigkeiten die des Menschen um ein Vielfaches übersteigen. Wir erleben zwei Exemplare bei einem ausgedehnten Rüsselkampf oder – Liebesspiel, manche sollen ihn aus zum Masturbieren verwenden – Sachen gibt’s ….

Im Zahntempel Buddhas haben wir unsere Schuhe kostenpflichtig zur Verwahrung abgegeben, kommen aber nicht hinein, weil wir kein Ticket haben, welches für uns nicht ersichtlich ganz unten am Eingang hätte gekauft werden müssen – wir verzichten. In mir regt sich auch eine gewisser Widerwille gegen diese Reliktverehrung, die es wohl in fast jeder Religion gibt – ich erinnere mich an die Hype um die Bundeslade in Äthiopien. Diese Dressur der Gläubigen wird in der Prozession vervollkommnet, bildet eine emotionale Wucht, die gerne auch in die falsche Richtung laufen kann…

Über viele Serpentinen schrauben wir uns in das Hochland, erreichen nach einem kleinen Marsch Lands-End. Eine Abbruchkante, die einen schönen Blick auf die Hügel und Berge frei gibt, uns auf dort wabernde Wolken wandeln lässt.  Idyllische Eindrücke vermitteln uns die Teeplantagen, die zur gemütlichen Wanderung einladen. Lipton’s  Seat – unser Ziel. Der Engländer gilt als Erfinder oder zumindest als Verbreiter des Teebeutels, in denen aber zumeist nur mindere Qualität landet. Eine Teafactory will uns diesen Prozess, der Teeveredlung näher bringen. Im Verkaufsraum kostet die billigste Ladung zum Mitnehmen immerhin 20 €. Vor dem Hintergrund, dass die Teepflücker zumeist Tamilen sind, die einen Geringstlohn empfangen, schmeckt auch der goldene Tee etwas fade….

Rücksturz zur Küste, wir landen nun in einem wirklichen Baumhaus. Die Äste schlängeln sich durch den gesamten Raum. Vor dem Klo hilft eine Astgabel beim Aufstehen. Wir wollen Wale sehen, obwohl ich Bedenken habe, ob die auch uns sehen wollen, landen wir auf einem Schiff mit ca 60 Touristen, die auch noch von anderen Booten begleitet wurden. Gemischte Gefühle: wir sehen Pilot-, Grau- und Blauwale. Oft nur die Rücken, zuweilen aber auch die majestätisch aufragenden Schwanzflossölen beim Abtauchen. Bei den Mengen an Zuschauern heißt es dann: vorne hinknien, damit die zweite Schicht etwas sehen kann. Zwischendurch Schnorchelgänge: Seeschildkröten schweben vor uns – Stanzerl macht wieder tolle Aufnahmen….Rochen, einige bunte Fische – nicht ganz die Pracht von Galapagos, doch schon, im kleinen Rahmen, in diese Erlebniswelt abzutauchen. Im Schlussakkord treffen wir Mirjam und Felix wieder, wollen einen schönen Abend verbringen, doch aufgrund der Kommunalwahlen wird nirgends Alkohol ausgeschenkt. Wir nehmen Abschied von einer kleinen, schönen Welt mit verschiedenen Kulturen, schönen Landschaften und sehr lieben Menschen, wobei die Erosion durch den Massentourismus seine gewohnten Spuren zieht.

Ein- und Ausblendungen können eine gute Bilanz ziehen. So wird kurz nach unserer Abfahrt Frei, das Kind von Felix und Mirja geboren – sie haben uns inzwischen besucht – das neue Lebenslicht mit einem kleinen Menhirtörn besiegelt. Zum Schluss die kleine Zigarettengeschichte: ein Fischer bittet uns an Bord seines Schiffes. In seiner Erzählung glänzen die Deutschen durch ihre Hilfsbereitschaft während der Tsunami-Katastrophe. Besonders privat hätten sie viel geholfen. Nachdem wir erfahren haben, das frischer Fisch vorher über Monate in den Kühlräumen der Boote gelagert haben, dann mit Flugzeug als „ganz frisch“ nach Japan transportiert werden …. ja, wollte er eine Zigarette. Stanzerl hatte nur noch eine in der  Packung. Da meinte unser Fischer, das gehe aber nicht, weil er ja auch noch Freunde hätte, die ….. Mit ihm im Gefolge suchen wir einen entsprechenden Laden. Dort einig, er wollte ja ein ganze Packung, kommt die schelmische Bemerkung: es könnte ja auch zwei sein ….. Tja, da habe ich nein gesagt ….

15.01. Sylvester in Venedig!

Der liebe Dennis hatte die Idee.
So finden sich Stanzerl, Bettina, Heiko, Philipp, Dennis und mein kleines Ego zusammen. In unserer Wohnung, die wohl einem Architekten gehört hat, gibt es ein Klavier – abgeschlossen - , Kunstgegenstände und goldene Armaturen im Bad. Auf dem kleinen Balkon machen wir unsere Rauchpausen. In einem Theaterbau verbirgt sich ein Supermarkt, der unsere Grundversorgung sichert. Den Wein gibt es in einem kleinen Laden direkt in Plastikflaschen abgefüllt.

Wir erschlendern die Altstadt, verirren uns im Gassenlabyrinth, genießen die geschichtsträchtigen Fassaden. Die Touristenströme umgeben uns, doch es gibt kein Drängeln, die Atmosphäre ist angenehm entspannt. Leider will keiner mit mir auf die Gondel, deren Rudertechnik mich fasziniert: der asymmetrische Rumpf gleicht den einseitigen Antrieb aus.  Die Brücken fordern mein Knie heraus, sie haben alle einen hohen Bogen, damit die Schiffe drunter durch fahren können. Neben den Gondeln gibt es Wassertaxis, private Motorboote und einen gut ausgebauten Fährverkehr.

Wir kehren in ein Steakrestaurant ein: T-Bone für zwei Personen, sonst wird selbst gekocht. Philipp zaubert dünnes Kalbsfilet mit Minze in Weißweinsauce. Der Höhepunkt ist die Fahrt mit dem Wassertaxi zum Markusplatz. Es fährt mit uns in die kleinen Kanäle. Hier müssen wir beim Passieren der Brücken die Köpfe einziehen. Es ist eine wunderschöne Tour, die wir nur jedem empfehlen können. Am Canale Grande stehen wir inmitten der Menge, die das Feuerwerk mit lauten Ausrufen kommentiert. Sonst gibt es keine Feuerwerkskörper in der Stadt, wahrscheinlich wegen Brandgefahr. Stanzerl, Philipp, Dennis und ich beenden die Feier in einer Disco ….
Bei leichter Überschwemmung reisen wir am nächsten Tag wieder ab.

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