11.07. Ein ruhiges aber windiges Zwischenspiel!

Maddel frischt das Optischlauchboot auf. Julian und ich teilen uns die drei Schüler halbtägig auf. Das Wetter bleibt anstrengend, harte Böen gilt es zu parieren. Belinda und Laura wollen auch Motorboot üben. Zuweilen ziehen Regenschauer über die Bucht.
Am WE kommen vier Damen zum Schnupperkurs, die von Andreas besegelt werden. Jan hat Geburtstag, sein Bruder und seine Mutter sind gekommen, es gibt ein großes Frühstück. Lorenz, Jan und Nele gehen mit Kat und Schlauchboot ins Revier.

Am Sonntag bleibt die Wetterlage angespannt. Mit Simone und Katharina habe ich zwei neue Schülerinnen, wir nehmen Uta noch mit an Bord. Wir übernehmen den Menhir von Andreas, der wegen des harten Windes pausiert. Ich führe die Großschot, um die Böen abzufedern. Nach ein paar Up und Downs, gehen wir auf Vorwindkurs, um danach in die Kreuz gehen zu können. Beide haben schon Vorkenntnisse, die wieder an die Oberfläche gebracht werden müssen. Nachmittags tauschen wir die Crews, bei mir sind Petra, Maren und Gabi. Wir haben gute Stimmung an Bord, machen gegen 14 Uhr eine kleine Pause. Die Schulklasse läuft ein. Der erste Eindruck: sie sind wesentlich ruhiger als die Waldorfschule davor, sind aber auch nur 24 Schüler. Die Jungs sind in unseren Zelten untergebracht, die Mädels schlafen im großen Raum. Der Busch vor der Tür wird zum Bikinibaum. Im Inneren zeigt sich weibliche Unordentlichkeit.

Maddel übernimmt den Unterricht, unterstützt von Stefan, Nele, Andreas, Julian, Michel, Manfred. Claus übernimmt Simone, Gabie und Uta. Mit Jona, Claas, Linn und Katie veranstalte ich eine Einweisung zur Ausbildung. Es zeigt sich, alle können segeln, doch die genaue Performance der Manöver schultechnisch vormachen, fällt ihnen schwer, da sie ihre eigene, unbewusste Methode haben.

Am nächsten Morgen sitze ich mit Nele, Franziska und Jona im Motorboot. Katie und Linn übernehmen eine Crew von Mädels. Es hat wohl nachts Wanderungen gegeben. Weibliche Schülerinnen sind Richtung Jungszelte geschlichen, sind vom Lehrer, der in einem der Zelte schläft, abgefangen worden. Franzi segelt mit Jona Prüfungskurs auf der Möwe, sowie realistisches PüB. Abends gehen Laser und der Grüne auf Törn, während ich auf der Veranda im Tolino lese .... Christian ist mit einem Freund vor Ort, um das Nest für Cata zu bereiten – irgendwie ähnelt es dem Blesshuhn das unter Denk-Mal brütet :)

04.07. Sturmfahrt

Maddel und Julian haben schon abgelegt. Meine Crew - die netten Jungs von nebenan – wollen erst noch ihr Frühstück beenden. Bei heftigen Böen gehen wir in die Kreuz. Da sie kein Ölzeug tragen, sind sie schnell eingenässt. Zwei verziehen sich in die Kajüte, intonieren ein Titanic-Lied. Der motivierteste führt die Pinne. Nachmittags wandert die gesamte Truppe zur Steilküste. Ich segle mit Belinda, Laura und Franzi, ihnen übergebe ich auch die Großschot, damit sie das schnelle Fieren trainieren. In der Fahrrinnen üben wir Wenden auf dem Tonnenstrich. Wieder am Steg segeln sie einen ersten Schlag ohne mich. Eine Kuhwende wird als Steilkurve ausgeführt, sie legen an, der Po ist feucht, sie wollen aufhören für Heute.

Und – Nele ist angekommen, eine Freude sie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Abends sitzen wir zusammen mit Julian, Franzi und Michel zum Essen bei mir oben. Am nächsten Tag hören wir die Brandung der nahenden Prüfung. Nele und Andreas legen einen anspruchsvollen Kurs aus. Sehr publikumsfreundlich schwoit eine Boje auf Höhe des Steges vor der Mole, die andere schaukelt auf Höhe der Optiinsel. Zu dritt begutachten wir – Andreas, Michel und ich – die Segelkünste. Nicht schlecht, was uns geboten wird, in der Wende killt das Großsegel zu sehr, der Menhir wird durch den Wind gestoßen. Die Halse ist verbesserungswürdig. Platzwechsel vor Segelwechsel, bis auf wenige Ausnahmen lassen wir sie wiederholen. Nach jeder Runde geben wir Ratschläge, achten darauf, dass sie auch umgesetzt werden: Gewichtsverteilung beim Anlegen, das Schiff parallel zum Steg auslaufen lassen – doch wir geben uns alle Mühe, ihnen gerecht zu werden. Drei Menhire – zwei Frauencrews und nur eine Mannschaft mit Jungs – jetzt machen sie auch schon beim Segeln Geschlechtertrennung :).

In der Theorie habe ich die Hälfte in der Nachprüfung. Es sind unsichere Begrifflichkeiten. Ich gehe mit den Einzelnen auf die Anfänge zurück, vereinfache … und will, dass sie zu denken anfangen. So muss ich leider Andreas abwehren, der mit Astrid auf Kurzbesuch kommt. Um 1700 Blitzstart zur Akustikerin, die neuen Hörgeräte anpassen, kleiner Einkauf und dann noch zwei Prüflinge. Nele schreibt die Scheine, endlich schöne Schrift. Gemeinsam mit der Crew von Gestern grillen wir in den Abend.

Am nächsten Morgen gegen 0500 walke ich um den Binnensee, treffe bei der Rückkehr schon auf die ersten Schüler, die sich auf ihre Abreise vorbereiten – sie spielen Boccia. An der Tafel ein Graffitigruß der Klasse oder zumindest der röhrenden Hirsche: Antifa sponsert Segelschule Bennewichs – da wird mir so richtig warm ums Herz.

02.07. Waldorfschule auf dem Wasser!

Mit den Wasserfahrrädern wird es leider nichts, deshalb gibt Dennis Martha und Finn die Kajaks. Mit Stanzerl, Julian, Henning und Dennis umrunden wir im Long-Boat die Graswarderspitze, um dort den Sonnenuntergang zu genießen. Am nächsten Morgen liegen einige Schüler in Schlafsäcken am Stegkopf, der für sie eine romantische Anziehungskraft besitzt. Der Theorievorlauf findet in zwei Gruppen statt. Maddel im Haus, ich im Optizelt. Es ist erfreulich kühl im Zelt … wir kommen am Nachmittag bis zur Halse. Neu in der Truppe: Ole vom Verein, der die Ausbildungsgrundlagen auf dem Menhir umsetzen soll. Abends ein zweites Sonnenuntergangsankern mit Imbiss und Doko.

Am Sonntag zeigt sich der Himmel wolkenlos, ohne Hut und Sonnenbrille läuft nix. Wir segeln ins Revier – treffen unterwegs auf Anja und Ralf. 9 Menhire kreuzen zwischen Dalben und Stationsboot, die sich durch eine pinkfarbene Flagge bemerkbar macht. Herrliche Bilder – eine Yacht, die am Dalben anlegen will, fragt ob sie stören, kommen aber selbst zu einer Antwort. Für die Ankerlieger ist die Ruhe dahin, Kommandos über Megaphon erfüllen zuweilen die Luft. Stanzerl führt mit mir das Gummiboot, sie möchte das Steuern üben. Als ich kurzfristig übernehme, bekomme ich gleich wieder Schimpfe, weil mein Fahrstil zu eng ist. Zwischendurch machen wir ein paar Aufnahmen von Stephan auf dem Laser. Gegen Mittag steigt Stanzerl auf das Long-Boat, um Dennis beim Ankerauf und Schleppen zu helfen. Probleme auf den Menhiren sind die nachlassende Konzentrationsfähigkeit junger Menschen in der Pupertät bei sportlichen Aktivitäten, die Koordination und Zusammenarbeit in der Crew erfordern. Dazu die Hitze. Hinter dem Haus sitzt nachmittags ein ganze Riege „Hitzefreier“.  Die anderen Menhir gehen noch einmal für kürzere Zeit in der Bucht auf Kurs. 

Am Montag nimmt der Wind zu – West- bis Südwestwind mit Böen versetzt. Wir erklären das Boje-über-Bord-Manöver. Auf drei Menhiren fahre ich vor und lasse nachfahren.  Zunächst bin ich bei Belinda und Laura an Bord, zwei Auffrischungsschülerinnen, die noch neu hinzugekommen sind, dann habe ich drei Jungs und zum Schluss vier Mädels, von denen aber nur zwei an die Pinne wollen. Es ist anstrengend, die freifahrenden Menhire haben Schwierigkeiten sich zu halten. Nachmittags – der Wind hat weiter zugenommen, gehe ich nur mit Sturmgroß raus, jedoch: in den starken Böen luvt das Boot auch mit killendem Großsegel an. Dabei führe ich die Großschot, um schnell genug fieren zu können. BüB ist so nicht möglich, also gehen wir zum An- und Ablegen über. Gegen 1530 Uhr bin auch ich durch mit der Schicht. Eine Mütze Schlaf, dann nehme ich meine Kopfhörer, setze mich an meine Bojen, bastle sie fertig für den Einsatz. Heute am Dienstag segeln wir mit nur drei Menhiren, geführt von Julian, Maddel und mir.

28.06. Böentag!

Möwen und Menhire schliddern durch die Bucht. Stefan fährt Sicherung. Zuweilen gibt es leichte Paukenschläge durch den Wind. Bei Martha und Finn segle ich noch einmal mit, sehe aber, dass sie schon ganz gut sind. Gegen Nachmittag verordnen wir eine Regatta auf Menhiren mit Sturmsegeln. Eine Stunde Einsegeln, dann Gegenwindstart zwischen den Flaggen am Stegkopf und auf der Optiinsel. Kleiner Anlieger zur Luvboje, dann langer Vorwind- bis Raumwindschlag nach Lee. Zurück wir gekreuzt, die ganze Runde 2 x. Es gibt drei Ausreißer, die ihre Position bis zum Ende halten können, einen Menhir, der nach einem verpatzten Start schnell aufholt, ein großes dichtes Mittelfeld und einen verschenkten Sieg, denn es gilt der Anleger am Steg ohne Fremdhilfe. Zum Schluss gibt es einen Zeitunterschied zwischen dem ersten und letzten Boot von 6 Minuten und 43 Sekunden. So nimmt der Tag seinen Lauf.

Um 17 Uhr bin ich mit Burghard verabredet – ich will Martha und Finn den Kat zeigen. Leider ist der Skipper nicht an Bord. Er hat mir zwar erlaubt, die Persenning zu öffnen und das Innere zu betreten, doch traue ich mich nicht so ganz. Stattdessen wiederholen wir die Bootskunde und Knoten auf dem Schiff, weil die beiden ja Morgen in der Ausbildung helfen sollen. Die reist jetzt gerade an, ich habe Dieter als Stallwache, damit alles seinen geregelten Gang geht. Nach kurzem Einkauf lasse ich mich am Binnensee nieder, um dem Konzert einer Sopranistin zu lauschen. Dort treffe ich auf Harald, einen ehemaligen Schüler, er mir einen Weißwein ausgibt. Gegen 21 Uhr bin ich zurück in der Segelschule. Dort empfängt mich Henning mit einem fertigen Steak. So gestärkt halte ich eine Ansprache an die 40 neuen Schüler. Dennis schenkt mir einen fürchterlichen Gartenzwerg, den ich auf die Optiinsel verbannt sehen will. Auf der Veranda lassen wir den Tag ausklingen, Ekkehard, der Lehrer gesellt sich dazu.

Am nchsten Morgen: die erste Probleme. Es sind wohl Lebensmittel verschwunden oder Verpackungen geöffnet worden. Ekkehard möchte es klären. Ich rufe bei der Polizei an, ob dies in letzter Zeit vorgekommen wäre. Nein, meinte der Beamte: das wäre wohl ein internes Problem. Er kenne es von seinen Kollegen, wenn er zur Nachtwache kommt, dann fehlt im Kühlschrank immer etwas. Der Klabautermann, um den es sich zweifelsfrei handelt, hat es vor allem auf Butter abgesehen. Der Freitag – ausreichend Schiffsführer. 10 Menhire und die Pyrmontgruppe mit Lasern, Optis und Möwen gehen auf das Wasser. Kurzfristig sind so 80 Leute unterwegs. Gegen 14 Uhr sollen wir die Barrakuda in den Yachthafen verholen. Um 16 Uhr dürfen Martha und Finn mit den neuen Tretbooten von Oleu fahren, das haben wir Gestern bei einem kurzen Eisstopp an der Seebrücke noch mit Ollie besprechen können…….

27.06. Badetag!

Bein langsam zunehmenden Böen starten sechs Laser, die dankenswerterweise von Michel betreut werden, viele Möwen und drei Menhire. Am Stegkopf Kentertraining mit Goldbaum. Bei der Hitze ein großer Spaß – einziges Handicap: Quallen, die vereinzelt gesichtet werden. Die Kajütjollen üben das An- und Ablegen an der Optiinsel. Die Laser kentern absichtlich, anders ist die Häufigkeit nicht zu erklären, mit der sie ihr Segel auf das Wasser legen. Zu viert will eine Crew mit dem Kenterschiff segeln. Andere bauen auf....

Über Mittag schnell Einkauf mit Dieter: Klopapier, Kaffee etc. müssen dringend her. Dann geht der Jollenzirkus weiter. Die Steuerschüssel im Einsatz: eine Möwe kommt gegen den Westwind nicht zurück, ein 470iger in erfahrener Hand badet im Fahrwasser, ein Laser kentert durch, ein anderer verliert seinen Mast. Alle segeln sie bewusst mit Krängung, suchen die Grenze. Nur wenige erkennen, das waagerecht schnell ist. Konfusion am Steg: Martha und Finn rüsten auf Sturmsegel um. Finn ruft: „Da sind ja keine Stagreiter dran!“ Kann auch nicht, denn es handelt sich um ein Großsegel :-)
Beim Setzen der dann geholten Sturmfock, läuft das Fall unter den Wanten längs .... endlich sind sie startklar, da vollführt Martha einen Anschlag auf meinen Steg: nach einer 360° Pirouette landet sie am Kopf des Steges. Den anfänglichen Frontalangriff konnte ich noch abmildern. Ich musste sie überreden, doch noch mal an die Pinne zu gehen. Beim Anlegen sind oft mehr Leute im Wasser als auf den Schiffen. Keine Blessuren, keine Materialschäden größerer Art – der Tag ist gut verlaufen.

Ich habe auch endlich die Kuhhalse verstanden: geht die Wende nicht, wird die große Halse gefahren mit maximalem Raumgewinn nach Lee. Am Ende heißt es Segel trocknen, rollen, Neos aufräumen, wobei mir einige mehr oder wenig verständnisvoll helfen. Die Hitze steht im Büro, nach kurzem Mailcheck verziehe ich mich in den Strandkorb. Mit der Kamera stehe ich später am Stegkopf, um das Auslaufen der Mittwochsregatta zu beobachten. Bei dem starken Wind gibt es leider keine Spinnakerbilder.

Später sehe ich zwei große Motorboote einlaufen, mache mich auf den Weg, sie im Fischereihafen anzuschauen. Wen treffe ich da? Burghard mit seiner Barrakuda II. Er hat Maschinenprobleme, über Bollo versuche ich jemanden zu finden, der ihm helfen kann. Er erzählt von seinen Südseeabenteuern in bildgewaltiger Sprache ... Ich will ihn Heute Abend mit Martha und Finn besuchen. Dabei muss ich bedenken, dass Heute 42 Schüler aus Stuttgart anreisen, ich will ja auch noch zum Konzert, irgendwie muss ich das regeln. Den Film, den ich mir anstelle, schaffe ich immerhin bis zur Hälfte ....

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