25.05. Prüfungen und Besucher!

Die Grundscheine sind fast fertig gestellt. Letzte Passbilder werden eingeöst und gestempelt. In meinem Büro wird noch eine schulische Geographiearbeit geschrieben, während Helga schon die Theoriearbeit der Segler überwacht. Herr Rüter übernimmt die Praxisprüfung. Ablandige, um bis zu 70° drehende Winde bilden anspruchsvolle Voraussetzungen. Von Südwest auf Südost springender Wind vor allem im Stegbereich zerren an den Nerven. Bin ich Gestern doch noch mit allen Kandidaten gesegelt, um sie einzustellen, so fallen folgende Dinge doch auf. Bis auf einige Ausnahmen sind die Kommandos, die ja Struktur in die Abläufe bringen soll, unterbewertet. Oft stimmen sie mit den daran anschließenden Handlungen nicht überein. In der Theorie beantworten fast alle das Ablegen richtig, in der Praxis wird die Pinne oft in die falsche Richtung gelegt, das killende Großsegel angezogen, das Umgucken vergessen, das Gewicht im Boot falsch verlagert. Im Kurs auf die erste Boje werden die Segel zu dicht gefahren, bei den Halsen das Stützruder vergessen. In der Kreuz steht die Fock zu lange back – das Alles kann den schwierigen Umständen geschuldet werden, doch beim Anlegen, das von den meisten durch paralleles Auslaufen am Steg gut zu Ende gebracht wird, kommt es zu einem brutalen Ramming des Steges, der mit einer 6 auf der Richterskala reagiert. In Momenten der Verwirrung stur auf das Hindernis zuhalten, nagt am Nervenkostüm des Segellehrers – Durchstarten ist angesagt – zuviel,  wenn der Prüfling im Zirkus der drehenden Wind nur noch eines will: anlegen! Durch leichtes Anluven wäre der Aufprall zu vermeiden gewesen. Abfallen ist die schlechtere Version, denn die extrem luvgierigen Menhire reagieren nur, wenn das Großsegel total gefiert ist und Luvkrängung hinzukommt. Fazit: die Schüler haben eine gute Leistung gezeigt, denn was soll ich nach vier Tagen Übung erwarten? Doch einen Schein wollen viele. Ach, gebe es doch mehr Zeit für die Ausbildung!

Natürlich mache ich mir viele Gedanken über Verbesserung auf unserer Seite: Streßsituationen bewirken nun einmal Verkrampfung, Verharren, obwohl in den meisten Fällen ein „Alles-los-lassen“ besser wäre. Die Wichtigkeit von Kommandos als Strukturmaßnahme für die Manöver ist mir wieder bewusst geworden. So versuche ich auch die Kommunikation an Bord zu fördern, indem der Vorschoter aufgrund seiner Beobachtung auf Am-Wind-Kursen den Rudergänger mit Anluven und Abfallen korrigiert, damit die Begrifflichkeiten umgesetzt werden, die Aufmerksamkeit erhöht und das Crewgefühl verstärkt wird ...

Also gibt es auch nach 49 Jahren Ausbildung immer noch viel zu tun. Auch in der Theorie taucht wieder die Meinung auf, die Wende sei eine Drehung mit dem Heck durch den Wind, was wir ja auch nicht leugnen können. Fast alle wollen beim Ruderlegen in der Wende auch sofort Gewicht verlagern und nicht warten, bis die Krängung nachlässt. Beim Ablegen werden fast alle Kästchen richtig angekreuzt, dieses Wissen aber nicht in die Praxis umgesetzt. Die meisten Minuspunkte werden beim See-Bild produziert, sie stranden hier an den Unsicherheiten in der Begrifflichkeit. Eine Person schafft es, konsequent spiegelbildlich zu arbeiten: Wende, Halse, Anluven und Abfallen sowie die Segelstellung um 180° verdreht. Helga wird es mit ihnen aufarbeiten.

Mittags haben Florian und Axel See-Prüfung bei Axel. Laura besucht mich, sie ist in Heiligenhafen mit einer Freundin verabredet. Am Nachmittag verbringe ich Zeit mit der Restaurierung von BüB-Bojen. Neue Flaggen von Sri Lanka, Iran und New York kommen zum Einsatz. Mit Stanzerl, Christian und Bernd gehe ich ins Restaurant Backbord. Es ist Zeit, denke ich mir, meine Einstellung zum Fisch zu überprüfen, deshalb bestelle ich mir ein Scholle. Na ja, es reicht wieder für einige Jahre. Während die anderen in die Bretterbude weiterziehen, kehre ich in die Segelschule zurück. Peter und Lothar sind mit ihren Schiffen eingetroffen. Rolf, ein Schüler für den SBI trifft ein, Hobbit stellt sich mit Familie vor, sie haben noch Freunde mitgebracht – so füllt sich die Segelschule langsam weiter. Am nächsten Morgen habe ich 11 neue Schüler. Mit Dieter und Maddel gehen wir mit drei Menhiren bei frischen, böigen Winden auf Törn……

23.05. Schulklasse!

Seit Sonntag weilt die Schulklasse von Helga bei uns. Die Schüler sind recht verträglich, viele sind in Zelten untergebracht. Zum Glück unterstützen uns Henning, Dennis, Dieter und Manfred am Anfang. Die Schwachwindlage bietet einen relativ stressfreien Einstieg. Einige der Teilnehmer sind schon zum zweiten Mal hier – da gibt es teilweise noch Grundlagen, auf die wir aufbauen können.

Am Dienstag sind auch einige für das Kentertraining bereit. Möwe 4 nimmt dabei zuviel Wasser und muss ausgetauscht werden. Ein Lob an die Schüler, auspützen, Zeitaufwand – sie nehmen alles gelassen hin. Am Mittwoch geht dann tatsächlich vormittags eine Möwe mit Sturmgroß und drei Personen auf Törn. Ziemlich harte Böen stehen sie gut durch. Einige Menhire legen es darauf an, das Schwert zu zeigen. Nachmittags kommen noch zwei weitere Möwen hinzu. Obwohl es ständig regnet, ist die Stimmung relativ gut. Der Steg ist durch den Möwenschiss arg glatt, zeitweilig stehe ich mit Helga mit Schrubber bewaffnet, um die Planken zu säubern. Gegen Abend kommt die Sonne wieder leicht durch.

Am Donnerstag kommt die Fehmarnfrage auf, doch eine zu befürchtende Winddrehung auf Südwest lässt uns davon Abstand nehmen. Dreizehn Schüler wollen sich der Grundscheinprüfung stellen, mit ihnen werde ich heute Morgen segeln, während Maddel das übrige Feld absichert. Es ist sehr schön, mit Helga zu arbeiten, kennen wir uns und sie die Segelschule doch schon seit den 70iger Jahren.

19.05. Seegras, Rippchen und Segelspaß!

Dichter Nebel klammert sich bei Ostwind an die Wasseroberfläche. Unter den Bäumen hat es geregnet, die Nebeltropfen sind von den Blättern abgelaufen. Leon, der einzige Wochenendgast, wird in die Gemeinschaft integriert. Nach kurzer Theorieeinweisung soll er mit Dieter ablegen. Ein letzter Paulaner, der dort Kontakt mit Schiff und Revier bekommen soll, zieht sich vorzeitig mit Rücken aus der Affäre. Gefrustet gesellt sich Björn zum Seegrasanalyseteam, greift zur Schubkarre und verstärkt den Westwall. Dennis ist der Initiator, hoch schwingt er die Forke, Karre um Karre füllt sich mit dem langen Seegras – Perückenrohstoff!

Strategiewechsel unter Matthias und Marina: drei Anhänger finden den Weg nach Johannistal, eine vierte Ladung steht für Montag bereit. Auch Henning und Nils können sich dem Aufforderungsdruck nicht entziehen, als auch Stanze noch eingreift, hat das Seegras kaum noch eine Chance. Die Sonne kommt durch, erlöst uns aus der grauen Umklammerung. Mareike und Stefan – unsere Jollenreederei – bringt ihre drei Schiffe auf das Gelände, riggen auf. Dann beginnt der Jollenzirkus – Stanzerl und Stefan fegen bei Ostwind der Werft entgegen. Björn, Nils und Henning – drei Musketiere auf Menhir legen ab. Holger, der uns bei der Ausbildung wieder helfen will, setzt mit einem Freund ebenfalls Segel, wobei sie zuvor auch kräftig zur Forke gegriffen haben.

Eine neue Flagge für den Steg. Nach mühsamer Beösung flattert sie auffordernd im Wind – mir kommt das Symbol vor wie zwei Damenschuhe. Dennis mariniert die Rippchen für den Smoker, Nils schnippelt Gemüse, kreiert nebenbei Mojo, die gute spanische Knoblauchsauce. Leon segelt mit Dieter. Fine und Tochter kommen zu Besuch. Holger und Freund sprechen vor: sie möchten ihren Katamaran bei uns unterbringen. Vor Boje ist eine Chance. So bekommt der Tag einen krönenden Abschluss an gemeinsamer Tafel. Linie und Marillenschnaps sorgen für die Verdauung. Endlich kommt das Städtespiel zur Geltung, habe ich doch Dennis versprochen, es vorher nicht zu benutzen. So wird es aus der jungfräulichen Verpackung befreit. Zehn Sekunden bleiben Dir, um die Informationen zu einer Stadt aufzunehmen, dann wird gewürfelt und Du musst einer der acht Fragen beantworten. „Hatte der Mann einen Hut auf?“ bis zu unaussprechlichen Namen von Museen reicht das Spektrum. Leon – unser Jungstar – wird Sieger. Ein voller, runder Tag ¦-)

18.05. Eine ruhige Woche!

Am Montag und Dienstag sind Tine, Henning und Mati noch zu Besuch, so sind die Dokoabende gesichert. Einige Möwen werden umgedreht, damit Maddel sie aufriggen und wässern kann. Mittwoch fahre ich mit Henning nach Hamburg. Stanze hat am Donnerstag Geburtstag. Entspannt besuchen wir vormittags die Sole-Therme: einige Schwimmzüge, dann in der Sole treiben lassen und Tiefschlaf im Kaminzimmer. Gegenüber der Elphi gönnen wir uns ein lecker Essen, bevor wir uns der Kunst hingeben: Laura Aikin singt frühe Lieder von Alban Berg, nach der Pause ertönt die 2. Sinfonie von Anton Bruckner. Wir sitzen unten, können die Künstler gut in Augenschein nehmen: die einzelnen Sätze steigern sich zum Höhepunkt, danach setzt Stille ein, bevor zarte Töne neu einsetzen. Mich beeindruckt auch der körperliche Einsatz der Streicher, die sich mit dem ganzen Körper einsetzen. Im Nachklang ein wunderschöner Tag …..

Wieder in Heiligenhafen gilt es das Wochenende vorzubereiten. Der FC St. Pauli kommt mit historisch niedriger Teilnehmerzahl, bei meinen Schnupperleuten gibt es einige Absagen, so bleibt abzuwarten, was sich ergibt, wenn der zähe Nebel endlich weicht. Dennis zaubert ein sehr schmackhafte Spargelcremesuppe. Leon, ein junger Mann, der von einer anderen Schülerin empfohlen wurde, baut sein Zelt auf. Björn schaut rein. Stanzerl hat ein Käppi von Dennis bekommen – mit selbstgestickter Krone. Am Sonntag reist die Schulklasse von Helga an ……

17.05. Ein schönes Wochenende!

Die Bootseinteilung beschert mir die Venus und vier Damen, Dieter, Maddel und Henning besetzen die anderen drei Menhire. Bei idealen Wetterbedingungen können wir in bester Stimmung die Grundlagen in den Schülern verankern. Einen trifft es beim Anlegen, er fällt ins Wasser – eine der ungezählten Stegtaufen. Abends  - zur Zeit gibt es immer Spargel – finden sich Hannes, sein Cousin Leimes, Henning und Stanzerl zum Doko ein. Es wird ein lustiger Abend.

Der nächste Tag bringt unruhiges Wetter, wir verteilen die Teilnehmer neu. Nur unter Groß bringe ich Ruhe in meine Damenfrauschaft. Henning kümmert sich um Laura und Cornelius, die ihr stürmisches und fast verschneites WE nachholen. Zunächst segelt Jan, der seine Prüfung ablegen will mit ihnen. Später übernimmt Dieter das Schiff. Seine Crew hat die Segel gestrichen, zwei waren wegen Krankheit nicht erschienen, so dass nur ein Paar bei ihm an Bord war. Doch mit den Worten: „Segeln ist nichts für mich“ ging sie von Bord. Neue Aufgabe für Dieter. Mit Hannes als Vorschoter trainieren sie die Manöver. Als Axel erscheint, habe ich meine Crew soweit, dass sie selbstständig segeln können. Denn für die Prüfernachbetreuung gibt es den Zaubertrank im Senioreneck. Als der Nachschub versiegt,  muss ich der Phantasie freien Lauf lassen. Rabarbarsirup  als Grundlage, verfeinert mit einem Schuss Pernod, aufgefüllt mit Fanta und gekrönt mit Marillenschnaps steht die neue Kreation vor mir. Stanzerl schmückt sie mit einer Gurke und Radieschen und die Prüfer werden danach sicher nach Hause verfrachtet.
Nach dem ganzen Trubel – zwischendurch verabschiede ich die einzelnen Crews – entführt mich Stanzerl zu einem Picknick in den Rapsfeldern – welch Farbenpracht und Ruhe.

Am nächsten Morgen kümmert sich Maddel um das ausgerauschte Großfall, jemand hat den Knoten am Schäkel gelöst, dabei nimmt das Boot ordentlich Wasser und muss mühsam gelenzt werden. Vater und Tochter kommen, um einen Menhir zu leihen. Später tauchen Kerschtin, Guido und Ida auf, die Eltern haben sich genau auf den Tag hier in der Segelschule kennen gelernt, das muss gebührend berücksichtigt werden. Nach einer kleinen Segeltour laden sie mich zu Kaffee und Kuchen ein, wir sitzen bei den letzten Sonnenstrahlen auf der Ostwiese. Zwischendurch ist Henning mit Mati eingetroffen, Tine kommt nach, wir werden grillen und Doko spielen.

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