01.06. Spuren am Strand!

Nachdem Gestern meine alten Hörgeräte auf charmanteste Art auf Trab gebracht wurden, ich endlich meinen Personalausweis habe, die neuen Aufsteller im Schaufenster und bei Rewe untergebracht sind, ein Paket zurückgeschickt wird, komme ich verschwitzt wieder in der Segelschule an. Ach, ja – Pakete: vier habe ich bekommen, nur eines für mich, die anderen für die Werft und den Segelverein. Genervt schreibe ich an UPS, sie mögen doch Leute einstellen, die auch lesen können. Wenn sie Stil hätten, würden sie mir eine Kiste Wein als Lohn für die Paketendzustellung zukommen lassen.

Es folgt eine Intensivstunde Navigation mit einer Einzelschülerin – so läuft die Zeit und es ist bereits 21 Uhr als ich mein Essen aus dem Ofen nehme. Früh am nächsten Morgen empfängt mich warme Luft am Strand, der eine schöne, breite Lauffläche anbietet. Mal hat der Boden feine Narben, mal dicke Rippen, wer kann mir das und die Flora an der Küste hier erklären? Fundstücke: erst bei näherem Hinsehen erkenne ich eine Bananenschale. Menschliche Bauwerke, Federn, viele Ohrenquallen, die dieses Jahr früh aufgetaucht sind und Reste eines Schlauchbootes lassen mich immer wieder innehalten. Im Hafen liegen ein Forschungskutter aus Kiel und eine Megayacht, die wohl für den Yachthafen zuviel Tiefgang hat. Mein Schüler hat seine Söhne mitgebracht, sie wollen noch einmal nach dem Hörgerät tauchen .... und tatsächlich sie werden fündig. Zugleich verbringe ich es zur Akustikerin, ich glaube aber kaum, dass es das Salzwasserbad überstanden hat. Nils geht mit zwei Schülern auf Langtörn auf die Ostsee ... Abends kommen die ersten Freunde. HD verteilt großzügig Ouzo ....

Am Samstag wird der Strandwalk anstrengend, die guten Laufflächen sind zumeist vom Wasser überspielt. Auf dem Weg begegne ich drei Jugendlichen, die auf meinen freundlichen Gruß nicht reagieren. An der Straße, die am Segelverein vorbeiführt, sind Holzgeländer herausgerissen. Ich erblicke auch einige umgekippte Coronaabsperrungen, auf der Seebrücke sind zwei Rettungsringe aus der Box herausgerissen, liegen mit ihrem Tauwerk auf dem Weg. Ist es ein Protest gegen das Eingesperrtsein? Der Strand schenkt mir heute eine Paprika und eine Kordel mit Knauf, was wurde wohl mit ihr bedient?

Wieder in der Segelschule gilt es den Tag zu planen: sechs Leute aus Berlin mit zwei Kinder, die sporadisch segeln wollen, ein Pärchen aus Hamburg, die den Segelschein schon haben, sie wollen aufs Meer. Mutter und Tochter, die einen Schnupperkurs machen, ein Vater mit Tochter und Sohn, sie haben schon einen Schnupperkurs gemacht, wollen am Montag den Grundschein machen. Gleichzeitig zwei junge Leute einweisen, die in der Ausbildung helfen wollen – sie haben auch noch einen Freund dabei, der mitsegeln will, einen Herren, der bis zum nächsten Wochenende bleibt und im September den amtlichen Schein machen möchte, und ein Clubmitglied, das Möwe, Laser oder andere Gleiter segeln möchte. Dazu noch Magda, die mit zwei Freundinnen ihren Abschied von der Küste feiern möchte, sie zieht in die Schweiz – sie segeln selbstständig. Glücklicherweise helfen neben Maddel, Nils, Niklas und Henning. So kann ich diese Mixtur auf Kurs bringen. Stanzerl segelt auf ihrem Springbock, nachdem sie tags zuvor ihren Swimsuit aufsprobiert hat.

Ich mache morgens Theorie, nachmittags zwei Schichten für zwei Gruppen und abends eine Sonderschicht für die Grundscheinprüflinge. Zwischendurch schaffen wir es, dank vieler Hände, die Optiinsel ins Wasser zu bringen. HD, dem Ouzo entronnen, belebt das Projekt Dschungeldusche – etwas Solides entsteht. Henning hat einen Probemundschutz mitgebracht. In einem Betrieb, in dem viele Versehrte arbeiten werden nun 50 Masken mit Segelschullogo entstehen. Ein schöner, randvoller Tag neigt sich dem Ende entgegen.

28.05. Feier, Segeln und ein Verlust!

Am Samstag pflügen mehrere Menhire bei Starkwind gen Osttonne. Uns begleitet herrliches Wetter (warum gibt es eigentlich kein frauliches Wetter?). Abend erhebt sich ein Leuchtturm auf 4 Meter Höhe. Ein Geschenk von Herbert. Jener war wohl früher ein Werbeträger für die Marke: „unser Norden“. Stanzerl weiht ihre neue Feuerbutze ein. Es wird getafelt – von HD meisterlich mariniert – munden sie vortrefflich – die Reste konnte ich an den nächsten Tagen noch vertilgen.

Am Sonntag findet die erste amtliche Prüfung statt, souverän zeigen meine Schüler ihr Können, servieren dem Prüfer ihre Schnittchen und bestehen. Im Anschluss mixe ich den Zaubertrank für unser Triumvirat. Dann kommt noch eine ehemalige Schülerin mit einer Flasche Wein zu Besuch – sie ist im Homeoffice in Kiel gestrandet.

Am Montag warten drei Schüler auf mich: ein Pärchen aus dem Süden Deutschlands und ein Tierarzt, der eigentlich den See-Schein machen möchte. Gegen 1730 öffnen drei Abendschüler ihre Ohren für mich. Am nächsten Morgen trainiere ich mit den Schülern das An- und Ablegen, nachmittags die Halse. Der Tierarzt hat seine Tochter als Vorschoterin mitgebracht, so können wir zwei Menhire einsetzen. Wir segeln in das Dalbenrevier hinaus. Gegen 16 Uhr steigen wir auf das Motorboot: See-Ausbildung. In der Zwischenzeit bringt Maddel mit Hilfe von Nils weitere Schifffe zu Wasser – wir erwarten Pfingsten einige Leute zum Segeln. Das Long-Boat wird zum Leben erweckt.

Am Mittwoch bin ich mit dem Tierarzt allein, das Pärchen hat nur einen Zweitageschnupperkurs absolviert. Diesmal ist ein Sohn dabei meinen Ausführungen an der Tafel zum Kentertraining zu folgen. Von der praktischen Ausführung erstelle ich einen kleinen Film als Erinnerung für den Schüler. Nachmittags segeln wir zu dritt auf der Möwe. Wieder am Steg beuge ich mich zu der Jolle herunter, da gibt es einen Plumps. Zunächst denke ich – ein Pfeifenstoper ist verloren gegangen. An die Hundert habe ich wohl schon verbraucht – nicht so schlimm. Doch dann sitze ich später an meinem Schneidecomputer, blicke auf das Ladegerät für die Hörgeräte – da fehlt ein Exemplar. Die Erkenntnis schlägt auf mich ein: das, was vorher ins Wasser gefallen ist, war ein Hörgerät. Keine Chance es wieder zu finden. Bei 6 Gramm Gewicht schwimmt es bestimmt. Zusammen habe ich mehr als 6000 € dafür bezahlt.

Das Leben geht weiter: wir haben endlich einen Prüfungstermin für meine See-Schüler. Ab 17 Uhr stehen sie bei mir, die Enden in der Hand, um alle Knoten einzuüben, danach stehen Lichterführung, Signalkörper sowie Nebel- und Schallzeichen auf der Speisekarte.

Am nächsten Morgen gehe ich in wilder Hoffnung auf den Trail, am Ufer entlang bis zur Werft – vielleicht finde ich das Teil dort. Doch inmitten von Schlick, Kieselsteinen und Krebsresten ist einfach nichts zu finden. Dann kommt auch der Schaum dazu, wobei ich mich gleich frage, woher dieser kommt. Im Rügen-Blog werde ich fündig:

„In der Nähe von Stränden, als auch von Riffen wachsen auf dem Meeresboden verschiedene Arten von Algen. In den Blättern der Algen sind Eiweiße enthalten, die durch Wind und Wellen hin und her bewegt, und somit frei gesetzt werden – wie ein gewaltiger Schneebesen. Durch die Bewegung der Wellen werden die freigewordenen Eiweiße aufgeschäumt. Die Wellen nehmen diesen Meeresschaum auf und transportieren ihn zum Strand. Dort verkleben immer mehr Schaumbläschen miteinander, wodurch große Schaumablagerungen bzw. Schaumteppiche entlang der Strände entstehen.“

So kehre ich nach meiner erfolglosen Suche zurück. Nils geht mit Diego, einem neuen Schüler, auf Tagestörn. Dadurch kann ich mich auf Büro und Brotbacken konzentrieren.

23.05. Meine linke Pobacke!

Mit Maske auf der kleinen Jolle trainieren wir die Auslegerwende. Beim Anlegen am Steg will ich mich geschickt auf den Steg schwingen, lande aber mit einem Teil meines Gesäßes auf einem Eisenpoller, diese Begegnung hinterlässt einen schmerzhaften Eindruck, der sich über die Tage hält.

Der Tag der Prüfung rückt näher: wir haben einen Dreieckskurs ausgelegt, den es nun bei unterschiedlichen Winden abzusegeln gilt. Bei konstanten Bedingungen stellt sich schnell ein Lernerfolg ein, wenn sich jedoch die Umgebungsfaktoren ändern, ist die Irritation groß. Eine andere Windrichtung, böiger Wind, der in Stärke und Richtung wechselt, kann den Anfänger durcheinander bringen. Da heißt es nun: die Kontanten im Chaos wiederfinden.

Beim Walken begegnen mich manchmal einzelne Seelen. Eine Frau zeigt mir einen Hornhecht, den sie am Strand gefunden hat, fragt mich, ob sie den essen kann, andere mit Hund unterwegs oder allein im Zwiegespräch mit der Stille des Morgens.

Am Nachmittag zeigt sich ein junger Mann bereit, meine Haare zu schneiden. Ich habe nur ein altes elektrisches Haarschneidegerät. Aufsatz, nein habe ich nicht. Na dann können er nur Fingerdicke schneiden. Gesagt getan, stellen wir fest, das Stromkabel ist entzwei. Da lächelt ME, repariert es in kurzer Zeit, das Schnittwerk kann beginnen. Und siehe da – mein Stanzerl ist ob des Ergebnisses des Lobes voll.

Ein Freund hat seine neue Drohne mitgebracht: zum ersten Mal können wir unsere Manöver aus der Vogelperspektive verfolgen und das in hervorragender Qualität. Sofort wirbeln die Gedanken, wie wir das in den Unterricht integrieren können.

Ein Steglieger vermacht uns einen aufblasbaren Leuchtturm, vier Meter hoch und mit Leuchte versehen.  Genau richtig für unser kleines Fest, das wir unter Einhaltung der Abstands- und Maskenpflicht planen, kreative Lösungen sind gefragt.

26.05. Segeln nach Feierabend

Wenn sich mindestens drei Leute zusammen finden, können wir individuelle Ausbildungszeiten anbieten. Wir machen eine dreistündige Einweisung, die Euch aber auch schon an Bord führt: Kurshalten und Wendemanöver. Je nachdem, wie dann die Stimmung ist, könnt Ihr auf dieser Einheit aufbauen. So könnt Ihr den Einstieg in Euren Alltag einbauen. Später können wir mehrere Schiffe zusammenfassen, Ausflüge in den Sonnenuntergang, lustige Wettfahrten oder Geschwaderfahrt nach Fehmarn. Zurück in der Schule können wir Klönschnack halten, den Grill belegen oder Videoaufnahmen Eurer Segelkünste bewundern.

Segeln hat gegenüber anderen Trendsportarten auf dem Wasser ein besondere soziale Komponente: Du kannst jemanden mitnehmen, Ihr habt Platz für Proviant und zusätzliche Kleidung, Ihr könnt einfach den Anker werfen, um Euch von den Wellen wiegen zu lassen, dabei ein Buch lesen oder vertrauliche Gespräche führen. Dabei ist die Bandbreite des Segelns groß. Vom schnellen Flitzer bis zur ruhigeren Kajütjolle können wir Euch alles anbieten. Mein ältester, noch aktiver Segellehrer ist mittlerweile 81 Jahre alt.

Für wen ist dieses Angebot gedacht:

  • Für Leute, die in das Segeln hineinschnuppern möchten
  • Für Leute, die mit Freunden etwas unternehmen möchten
  • Für Leute, die ihre Chartercrew vorbereiten möchten
  • Für Mitarbeiter von Firmen
  • Für – eigentlich alle )

Die erste Einheit kostet 25 €/Person, Dauer: drei Stunden, Termine können frei vereinbart werden, Beginn ab dem 02. Juni 09 Uhr möglich.
Tel.: 04362 - 2244
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

21.05. Ein kleiner Sommer!

Gestern begann der Tag noch mit bedecktem Gesicht. Positive Anzeichen waren die beiden Angelkutter, die zur Ausfahrt rüsteten, die ersten Strandkörbe und die Strandraupe bei der Arbeit, langsam kommt wieder Leben auf. Meine beiden Schüler haben nun alle Grundmanöver in vier Tagen erlernt, inklusive der Motorenausbildung, bei der wir auch einen kleinen Ausflug in den Yachthafen gemacht haben.

Nachmittags bricht die Wolkendecke auf und der Sommer erhebt sich. Wir trainieren das BüB (Boje-über-Bord-Manöver), eine Sicherheitsübung für den Fall, dass jemand über Bord fällt. Dann lautet der Ruf: „Person over board!“ Früher hieß es: Mann-über-Bord (man-over board) . Die International Maritim Organisation hat dann im Zuge der Gleichberechtigung die Frauen mit einschließen wollen. Statistisch sind es aber immer noch zumeist Männer, die über Bord gehen, sei es beim Pinkeln, Überschlagen des Segels oder durch Wellenschlag. Abends sitzen wir beim heißen Stein, auf dem wir Gemüse und dünn geschnittenes Fleisch genießen.

Der nächste Morgen zeigt wieder ein Sonnenaufgangsgemälde. Meine Schüler wollen kentern üben. Dafür suchen wir uns die kleinere Zweipersonenjolle. Sie hat die gleiche Segelfläche wie die Kajütjolle, wiegt aber nur die Hälfte. Zunächst müssen sie das Boot an den Stegkopf paddeln, eingekleidet in Neopren, Rettungsweste und Overall. Beim Setzen der Segel wird am Großfall ein Kenterball angebracht, damit das Schiff im Falle der Kenterung flach auf dem Wasser liegen bleibt. Sonst kann es passieren, dass sich das Boot weiterdreht und der Mast sich in den Grund bohrt. In sieben kleinen Bildern erkläre ich die Technik an der Tafel.

1. Das Schiff umwerfen, dabei aber nicht unter das Segel kommen.
2. Eine Person begibt sich zur Mastspitze, unterstützt den Kenterball.
3. Die andere Person klettert innen hoch, geht über die Kante auf das Schwert.
4. Die Mastperson verholt sich ständigem Kontakt mit dem Schiff zum Bootsrumpf und hängt die Füße unter die Gurte.
5. Die Schwertperson verlagert das Gewicht nach hinten, springt, wenn das Schiff kommt hinein, während die andere Person aus dem Wasser herausgezogen wird.
Bild 6 erklärt, wie ich ins Boot hineinkomme, wenn es aufrecht neben mir schwimmt.

Das Ganze haben wir auf Video festgehalten – ich schneide diesen Film mit entsprechenden Zeitlupen zusammen. Am Abend macht unser Nils Labskaus ....

Nach meinem Morgenwalk mit tollem Rotlichtmilieu, sind wir wieder auf dem Motorboot, um dort die Manöver zu üben, denn ist gibt kaum Wind. Eine weitere Dreiergruppe fängt bei Maddel mit der Ausbildung an. Unsere Hygienevorschriften greifen. Wir segeln, wenn auch in gebremster Form.

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