15.06. Prüfung – Hygiene & 0340 Uhr!

Ein stürmischer Sonntag kündigt sich an. Mathias möchte seine Grundschein- und mit drei anderen zusammen seine Seeprüfung ablegen. Der Ostwind baut sich immer weiter auf, bald ist die ganze Bucht mit Schaumkronen bedeckt. Nils hilft an Bord, tankt das Motorboot nach und hat den Anker klar zum Fallen. Bei einem Motorausfall wären Crew und Schiff der Mole ausgeliefert. Doch es geht alles gut, der Zaubertrank wird serviert, Nils übernimmt meinen Part.

Im Büro beginnt der zähe Prozess, ein Hygienekonzept für das Piratencamp zu entwickeln. Nils hat schon gute Vorarbeit geleistet, was ist realistisch, lässt sich durchsetzen, was nicht. Es wird einen täglichen Maskenball mit Flaschendrehen geben. Alle Eltern sollen angeschrieben, alte Hasen eingenordet werden. Das Team stellt sich den Bedingungen, tägliche Einsatzbesprechungen sollen neue Erfahrungen abgleichen, um eine Balance des Möglichen zu schaffen.

Es folgen noch weitere Sondierungsgespräche, bevor Stanzerl und ich einen Abstecher zur Seebrücke machen. Dort herrscht Traumwetter für Kiter. Zurück verabschieden wir die letzten Besucher. Ein Pärchen, das einige Tage bei uns segeln will, reist an, vor einigen Jahren haben sie bei uns gelernt.

Der nächste Morgen: der Mond führt noch Regie, als ich die Walkingstöcker anschlaufe. Die Uhr am Parkplatz zeigt 0340 Uhr, den Sonnenaufgang erleben ich auf dem Rückweg vom letzten Haus auf dem Graswarder. Tolle Laufbedingungen – einziges Problem, auf den unzähligen Ohrenquallen auszurutschen, die an Land gespült worden sind.
Fazit des Wochenendes: wir stellen uns den Aufgaben, wir haben ein gutes Team.

14.06. Gewitterzeit

Am Freitag nehme ich die Grundscheinprüfung für Heiko und Markus ab. Oliver kann ich in seinen Schein schreiben, dass er 30 Stunden gesegelt ist bei 2 bis 6 Bft. Christine, Werner und Ingolf reisen nach einer freien Segelwoche ab. Die Jugend läuft ein: Jan, Mischa, Jojo, Lorenz und Laura starten ihren Saisonauftakt. Der neue Katamaran wird eingesegelt. Voller Pioniergeist starten sie ihre ersten Schläge.

Der Samstag bremst sie etwas aus – den ganzen Tag grummelt Donner in einer strukturlosen Waschküche, weint sich der Himmel heftig aus. Die geistige Herausforderung: ein Hygienekonzept für die Piratencamps zu entwickeln, alle Eltern sollen einen Brief erhalten, um sich auf die neuen Bedingungen einstellen zu können.  Nils erarbeitet eine Grundlagensammlung, später wollen wir in einer gemeinsamen Konferenz beraten und zu Papier bringen. Die Rumpfcrew steht. Sie fragen, was sie denn helfen könnten. Stanzerl wirft sofort das Seegras ins Getriebe. Unerschrocken arbeiten drei gelbe Musketiere bei strömender Regenbegleitung am Strand.

Abends wollen wir dem Wetter trotzend grillen. Ein Pavillon hilft. Lothar kommt, seine H-Jolle will er lenzen. Zum Schluss sitzen Stanzerl und ich in unseren grünen Gehschlafsäcken im Gespräch mit Lothar und Rolf. Am Sonntag, kurz nach 4 Uhr, breche ich zum Walk auf – Lichterspiele und gute Lauffläche machen Vergnügen. Bei der Rückkehr wecke ich wunschgemäß Jan, denn früh will er den Tag nutzen, mit dem Kat durch die Wellen fegen.

10.06. Eine Hand voll Schüler!

Maddel, Nils und Henning betreuen vier Schüler. Nils erklärt die Theorie an der Tafel. Im Hintergrund reisen drei Ehemalige an – Airbus, Finanzamt und Lehrer. Die neue Verordnung ist raus. Stanzerl und Nils arbeiten sie durch. Das Wichtigste: Duschen wieder erlaubt – Desinfektion, Abstand und Masken bleiben. Unsere eigenen Masken verteile ich an die engen Leute der Segelschule. Astrid arbeitet sich weiter ein ....

Am Montag kommen vier neue Kunden. Zwei Schnupperer und zwei Grundscheinler. Morgens kommen Celine und Julian hinzu, die für ihre Prüfung trainieren. Am späten Nachmittag mache ich mit ihnen Theorie und danach Sportboot See. Mein geborgenes Hörgerät knistert ständig, ich bringe es zur Reparatur. Sabine und Lothar haben ihre schöne Holzjolle gebracht, sie wird erst einmal am Steg gewässert, damit die Planken zuquellen können. Unsere Dreiercrew geht auf Törn, bleibt abends in der Flaute hängen. Besorgt richten wir unsere Ferngläser auf die Kimm. Mit relativ guter Laune laufen sie aber wieder ein.

Am Dienstag sind dann zwei Hunde auf den Menhiren ... abends kommt uns Andreas zu Besuch, der uns bei den Piratencamps in der Küche geholfen hat. Ihn hat es nach Süddeutschland verschlagen, kommt aber für Skipperaufgaben an die Küste. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz zeigt er uns, wie Tauwerk aufgeschossen und geworfen wird. Robert, ein Ehemaliger vom letzten Jahr, kommt in unsere Runde, wo der letzte Botucal versiegt.

Meine Walkingrunden sind schön, wenn sich das Wasser etwas zurückzieht. Dann habe ich eine gute Lauffläche, die aber bei Hochwasser verschwindet. Symbolisch sammele ich einige Abfallstücke auf. Ich kann beobachten, wie der Strandbagger mit Haaresbreite unter der Seebrücke hindurch fährt. Wir haben zuvor schon Grüße ausgetauscht ...

04.06. Ein langer Tag!

Der Außenborder wird abgesenkt – Motorenausbildung mit Celine, Diego und Julian bei leichten Winden. Nachmittags: HD läßt die Drohne steigen – sie filmt meine Segelei, um Anschauungsmaterial für die Schule zu erzeugen. In 90 Minuten lege ich mit Diego als bravem Vorschoter an die 80 Manöver hin. Es folgt der Showerdown: bekleidet mit Pfeifenshirt, Handtuch, Cowboy-Hut, Sonnenbrille und Pfeife muss ich auf Kommando aus der Dusche – durch die Saloonschwingtüren – heraustreten. Ein Bojenlieger, der sein Schiff slippen will, muss solange warten, bis der Künstler seine Arbeit erledigt hat.

Nachmittags übernimmt Nils meinen Schüler zum Spezialtraining. Gegen 1530 Uhr habe ich ein klärendes Gespräch mit dem Chef der WSD Heiligenhafen. Ihm geht es um die Bojenlieger, die zu meinem Feld gehören. Mich interessiert dagegen das laute Anrufen meiner Segellehrer und –schüler durch einen bestimmten Herren. Das führt beim Passieren der Enge an der Werft zu Verwirrungen und gefährdet die sichere Durchfahrt meiner Jollen, die wir seit 50 Jahren so gut wie unfallfrei vorbeiführen – nur einmal hat meine Versicherung Geld dafür bezahlen müssen, wie eine Jolle einen Kratzer im Gelcoat einer Yacht hinterlassen hat.

Dieser Herr wird indirekt beschrieben in einem Artikel, den ich in der „Seglerwerkstatt Stade“ gefunden habe:

Die Dirk, der Feind der Segler

Ein Ana­chronis­mus der be­son­deren Art ist die Dirk. Machte sie in den Sech­ziger bis Acht­ziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts durch­aus einen Sinn, so ist sie heute nicht nur überflüssig, sondern beim aktiven Segeln sehr schädlich. Warum ist das so?

Die Dirk läuft in der Regel als starke Leine mit 8mm oder 10mm Durchmesser vom Masttopp zur Großbaumnock. Da sie beim Segeln viel Lose haben muss, scheuert das Tauwerk oft auf dem Segeltuch und den Nähten. Schon dieser Umstand sollte vermieden werden, richtig ärgerlich wird es aber, wenn wir uns die Aerodynamik ansehen. Dazu muss man wissen, dass ein runder Querschnitt, wie beim Tauwerk üblich, gegenüber einem gut profilierten Tropfenprofil den ca. 30 bis 35fachen Widerstand erzeugt. Dieser Vergleich zeigt sehr deutlich wie strömungsungünstig ein Tauwerk ist.

Wir erzeugen also mit unserer Dirk einen erheblichen induzierten Widerstand. Zu allem Überfluss auch noch an der Stelle, an der unsere beiden Strömungen, von Lee und von Luv, wieder aufeinander treffen. Also in einem sehr sensiblen Bereich. Da heute alle modernen Yachten mit Kickern, also Baumniederholern, die auch nach oben arbeiten, ausgerüstet sind, macht eine Dirk beim Segeln einfach keinen Sinn. Lediglich auf einigen Katamaranen ist der Einsatz einer Dirk häufig noch nötig. Aufgrund von Aufbauten direkt hinter dem Mast ist schlicht kein Platz für den Drehkreis des Kickers vorhanden. Selbstverständlich gibt es auch gute Gründe, eine Dirk am Mast eingezogen zu haben.

Sei es als Ersatz für das Großfall, vielleicht auch, um den Großbaum im Hafen ruhig zu stellen oder, besonders im Mittelmeer üblich, die Gangway im Hafen am Heck hoch zu halten. Sicher alles richtige Gründe, doch dafür muss die Dirk beim Segeln nicht an der Baumnock befestigt sein. Besser ist es, sie in diesen Fällen beim Segeln, wie ein nicht genutztes Fall, am Mast zu fahren.

Ein sehr erfahrener Aero- und Hydrodynamiker hat einmal folgenden Vergleich für eine 10m Yacht formuliert: Eine Dirk zu fahren ist wie einen 10 Liter Wassereimer hinter einer Yacht her zu schleppen.

Also lassen Sie uns folgendes Fazit ziehen: Die Dirk muss weg!

Gegen 16 Uhr gebe ich Theorieunterricht „Motorenkunde“, danach Navigationunterricht und schließlich empfange ich Interessenten für den nächsten Sportboot See-Kurs.

Am Mittwoch übe ich mit Diego, Celine und Julian das BüB-Manöver ein. Anschließend kaufe ich bei Richter Verstärkungsmaterial für die Aufsteller meiner Flyer. Beim Steuerberater hole ich die Anmeldepapiere für meine neue Putzfrau, hole dann mein Hörgerät ab, wobei ich die nette Akustikerin gleich zum Schnupperkurs einlade. Zwar knistert das Gerät noch, doch mal abwarten. Immerhin lag es eine Nacht in Salzwasser. Am frühen Abend heißt es noch einmal: Navigation — dann kehrt Ruhe ein.

02.06. Stürmischer Sonntag!

Es beginnt mit mäßigen Winden, mit Doris und Lotti segle ich nur unter Großsegel, während die Grundscheingruppe schon Sturm gesetzt hat. Nachmittags wollen wir noch einmal ins Revier segeln. Mit im Boot sitzt nun Lilith.  Es hat sich eine frische Brise entwickelt, unser Menhir verhält sich störrisch bei der Beseglung. So gehen wir vor Anker und setzten komplett kleine Segel. Eine elende Kreuzerei durch die Fahrrinne, nach gefühlten 20 Wenden haben wir endlich die Werft passiert, gehen auf Kurs Dalben. Eigentlich ist die Osttonne unser Ziel, doch die Schaumkronen nehmen zu – Starkwind, 6 Bft. Die sich aufbauenden Wellen unterlaufen das Schiff, lassen es heftig rollen. Mit Handzeichen verständige ich Nils, der das zweite Schiff führt, Kurs Heimat! Meine Frauschaft ist bester Stimmung, sie erfreuen sich an der überkommenden Gischt – über allem spannt sich ein blauer Himmel. Auch die Berliner Gruppe hat das Segeln eingestellt – Maddel und Nils sichern die Boote am Steg. Glücklicherweise haben wir keine Schäden.

Mit vergleichsweise mäßiger Brise kommt der Montag daher. Jan B. kommt als Schiffsführer, übernimmt Julian und Diego, nachmittags Celine. Eine Flotte von sechs Lasern verteilt sich auf dem Wasser. Die Grundscheinprüfung beginnt: Praxis, Theorie und Knoten, nachmittags die Zusatzprüfung: Boje-über-Bord. Viele Clubmitglieder trudeln ein, nutzen den schönen Sonnentag. Maddel betreut mit dem roten Gummiboot die übrigen Segler. Fast ganz nebenbei nimmt die Saloon-Dusche Gestalt an – Julian weiht sei ein. Seit langer Zeit stehe ich mit der Segelphysik an der Tafel – alle in entsprechender Maskerade und auf Abstand. Das Long-Boat nimmt mit Dennis und Nils Fahrt auf. Darauf sitze ich mit Laura und Dörte bei der letzten Theorieeinheit Sportboot See. Mit Stanzerl verhole ich mich in die Strandbar, die Gesichter der Sonne zugewandt. Hier treffen wir auch Frauke und Gerd, der einen ausgeprägten Seemanngang hinlegt. Einkehr in das kleine Restaurant am Yachthafen, die die Coronaregeln nett umgesetzt haben: erst Hände waschen, am Tresen bestellen und im Freien essen. So gestärkt wandern wir zur Segelschule zurück. Hier muss ich die Aufsteller verbessern, sie sind aus zu dünner Pappe gemacht. Dennis hat mir Alurahmen gemacht – irgendwann fallen mir die Augen zu.

Der Dienstag beginnt mit Windstille, ich genieße meinen Walk gegen 0430 Uhr, bewundere dabei neue in kindlicher Fantasie geborene Bauwerke….

Segelschule Ralph Bennewitz | Kapitän-Nissen-Straße 3 | D-23774 Heiligenhafen | segelschule(at)bennewitz.de | Fon 04362 - 2244 | Fax 04362 - 5292