23.05. Meine linke Pobacke!

Mit Maske auf der kleinen Jolle trainieren wir die Auslegerwende. Beim Anlegen am Steg will ich mich geschickt auf den Steg schwingen, lande aber mit einem Teil meines Gesäßes auf einem Eisenpoller, diese Begegnung hinterlässt einen schmerzhaften Eindruck, der sich über die Tage hält.

Der Tag der Prüfung rückt näher: wir haben einen Dreieckskurs ausgelegt, den es nun bei unterschiedlichen Winden abzusegeln gilt. Bei konstanten Bedingungen stellt sich schnell ein Lernerfolg ein, wenn sich jedoch die Umgebungsfaktoren ändern, ist die Irritation groß. Eine andere Windrichtung, böiger Wind, der in Stärke und Richtung wechselt, kann den Anfänger durcheinander bringen. Da heißt es nun: die Kontanten im Chaos wiederfinden.

Beim Walken begegnen mich manchmal einzelne Seelen. Eine Frau zeigt mir einen Hornhecht, den sie am Strand gefunden hat, fragt mich, ob sie den essen kann, andere mit Hund unterwegs oder allein im Zwiegespräch mit der Stille des Morgens.

Am Nachmittag zeigt sich ein junger Mann bereit, meine Haare zu schneiden. Ich habe nur ein altes elektrisches Haarschneidegerät. Aufsatz, nein habe ich nicht. Na dann können er nur Fingerdicke schneiden. Gesagt getan, stellen wir fest, das Stromkabel ist entzwei. Da lächelt ME, repariert es in kurzer Zeit, das Schnittwerk kann beginnen. Und siehe da – mein Stanzerl ist ob des Ergebnisses des Lobes voll.

Ein Freund hat seine neue Drohne mitgebracht: zum ersten Mal können wir unsere Manöver aus der Vogelperspektive verfolgen und das in hervorragender Qualität. Sofort wirbeln die Gedanken, wie wir das in den Unterricht integrieren können.

Ein Steglieger vermacht uns einen aufblasbaren Leuchtturm, vier Meter hoch und mit Leuchte versehen.  Genau richtig für unser kleines Fest, das wir unter Einhaltung der Abstands- und Maskenpflicht planen, kreative Lösungen sind gefragt.

21.05. Ein kleiner Sommer!

Gestern begann der Tag noch mit bedecktem Gesicht. Positive Anzeichen waren die beiden Angelkutter, die zur Ausfahrt rüsteten, die ersten Strandkörbe und die Strandraupe bei der Arbeit, langsam kommt wieder Leben auf. Meine beiden Schüler haben nun alle Grundmanöver in vier Tagen erlernt, inklusive der Motorenausbildung, bei der wir auch einen kleinen Ausflug in den Yachthafen gemacht haben.

Nachmittags bricht die Wolkendecke auf und der Sommer erhebt sich. Wir trainieren das BüB (Boje-über-Bord-Manöver), eine Sicherheitsübung für den Fall, dass jemand über Bord fällt. Dann lautet der Ruf: „Person over board!“ Früher hieß es: Mann-über-Bord (man-over board) . Die International Maritim Organisation hat dann im Zuge der Gleichberechtigung die Frauen mit einschließen wollen. Statistisch sind es aber immer noch zumeist Männer, die über Bord gehen, sei es beim Pinkeln, Überschlagen des Segels oder durch Wellenschlag. Abends sitzen wir beim heißen Stein, auf dem wir Gemüse und dünn geschnittenes Fleisch genießen.

Der nächste Morgen zeigt wieder ein Sonnenaufgangsgemälde. Meine Schüler wollen kentern üben. Dafür suchen wir uns die kleinere Zweipersonenjolle. Sie hat die gleiche Segelfläche wie die Kajütjolle, wiegt aber nur die Hälfte. Zunächst müssen sie das Boot an den Stegkopf paddeln, eingekleidet in Neopren, Rettungsweste und Overall. Beim Setzen der Segel wird am Großfall ein Kenterball angebracht, damit das Schiff im Falle der Kenterung flach auf dem Wasser liegen bleibt. Sonst kann es passieren, dass sich das Boot weiterdreht und der Mast sich in den Grund bohrt. In sieben kleinen Bildern erkläre ich die Technik an der Tafel.

1. Das Schiff umwerfen, dabei aber nicht unter das Segel kommen.
2. Eine Person begibt sich zur Mastspitze, unterstützt den Kenterball.
3. Die andere Person klettert innen hoch, geht über die Kante auf das Schwert.
4. Die Mastperson verholt sich ständigem Kontakt mit dem Schiff zum Bootsrumpf und hängt die Füße unter die Gurte.
5. Die Schwertperson verlagert das Gewicht nach hinten, springt, wenn das Schiff kommt hinein, während die andere Person aus dem Wasser herausgezogen wird.
Bild 6 erklärt, wie ich ins Boot hineinkomme, wenn es aufrecht neben mir schwimmt.

Das Ganze haben wir auf Video festgehalten – ich schneide diesen Film mit entsprechenden Zeitlupen zusammen. Am Abend macht unser Nils Labskaus ....

Nach meinem Morgenwalk mit tollem Rotlichtmilieu, sind wir wieder auf dem Motorboot, um dort die Manöver zu üben, denn ist gibt kaum Wind. Eine weitere Dreiergruppe fängt bei Maddel mit der Ausbildung an. Unsere Hygienevorschriften greifen. Wir segeln, wenn auch in gebremster Form.

17.05. Stanzerls Geburtstag und die ersten Schüler!



Zuerst war ich wie gelähmt, hatte ich doch keine Idee, was ich meiner Freundin schenken sollte. Doch mit der Zeit bildet das Unterbewusstsein Kristallisationskerne, die zu einem Sprühregen von Ideen führen. Ich schenke gerne, vor allem, wenn ich etwas irgendwann aufgeschnappt habe, bleibt dieser Samen in meinem Humus geborgen, bis sich plötzlich das Wachstum zu regen beginnt. Der dazu kommende Spaß spült mich in die See: Grundidee Nummer 1: Ihr werden jetzt alle Ralph’s gratulieren. Durch die Filmaufnahmen für „ralph alone“ musste ich inzwischen vier Rollen übernehmen, die alle ihr eigenes Kostüm haben. Praktikablerweise beschränkt auf eine bestimmtes Sweat-Shirt und eine entsprechende Brille. So gibt es Gratulation vom liebenswürdigen, vom besserwissenden, vom ständig schlafenden und vom „ich will noch mitmachen“-Ralph. Entsprechende Fotos werden gemacht und per Druck in Glückwunschkarten mit Text umgesetzt.

Es folgt als Nr. 2 ein Booklet für Paare, 250 Dinge, die frau/man zusammen gemacht haben sollte, zum Ankreuzen ... und so purzeln weitere Einfälle in einen Korb. Ich brauche zwei Stunden, um alles zu verpacken und mit Schleifen zu versehen. Meine echte Empfehlung: www.feuerbutze.de. Innerhalb einer Woche wurde sie mir per Express zugeschickt und so können wir sie im kleinen Kreis unter Wahrung der Abstandsregeln einweihen. Eine seltsame Atmosphäre mit langjährigen Freunden auf Distanz am Feuer zu stehen und Gedanken auszutauschen. Dazu kommt der Mundschutz, er ist bei uns in den Räumen Pflicht. Stanzerl bekommt ein besonderes Exemplar von einer Freundin geschenkt – vielleicht sollte sie damit mal zum Zahnarzt gehen.

Parallel beginnt meine Segelausbildung mit einer Lebensgemeinschaft. Im Freisitz lasse ich auf meiner alten Schultafel die Kreide kreisen, spreche durch mein Halstuch, das bald feucht wird. Habe inzwischen sieben Exemplare zum Wechseln. Abends werden sie im Waschbecken mit heißem Wasser und etwas Mittel sterilisiert. Vielleicht müssen wir aber auch alle Gebärdensprach lernen. Nur mit dem Sturmgroß legen wir bei böigem Westwind ab und ich mache endlich wieder das, was ich am besten kann: Segelausbildung ;-)) – allerdings nur mit zwei Schülern, wo eigentlich 20 da sein sollten.

Ein Segelfreund wechselt Brückenbretter aus, dabei stellen wir fest: einige Pfähle haben nicht nur den Bohrwurm von unten, nein, von oben arbeiten sich auch noch Holzwürmer durch. Noch weiß ich nicht, wie ich die Sanierung bei sinkenden Einnahmen realisieren kann. Seit Gestern kann ich bei meinen Walkingrunden auch wieder die Seebrücke einbinden. Fundsachen am Strand: Labello, eine grüne Kinderschaufel, Handschuhe und eine Pommesgabel. Plötzlich sehe ich ein paar angespülte Rosen – Hochzeit oder Seebestattung, Mit einem melancholischen Blick schaue ich aufs Meer und grüße meine Eltern.

14.05. Walken

Vor einigen Tagen fragte mich eine gute Freundin: „Wie machst Du das bloß, jeden Morgen zu walken.“ Tja, es kommt nicht von ungefähr. Schon immer habe ich Phasen gehabt, in denen ich trainiert habe, meist Krafttraining oder Laufen. Doch Konsequenz ist keine meiner Haupteigenschaften, sonst wäre ich schon der Arnold aus Heiligenhafen. Dazu kommt der Tick, früh aufzustehen. Schon als Kind habe ich meine Mutter damit genervt, dass ich samt Bettzeug im Freien auf unserem kleinen Hof übernachtet habe. Um die Spuren auf dem Stoff habe ich mir wenig Sorgen gemacht. Daher kommt es: die Dämmerung oder schon die Ahnung davon lässt mich wach werden. Im Alter verstärkt sich dies durch den zunehmenden Harndrang ). Die Bewegung tut gut, Du erarbeitest Dir eine kleine Portion Adrenalin. Wenn Du dann noch ein Stück gekühlte Melone verzehrst im noch angeschwitzten Zustand – das ist ein Fest – ein kleines.

Warum walken? Knieprobleme haben mich dazu gebracht. Gutgelaunte Ärzte haben mir versichert, der Mensch wäre nur für ein Alter von ca. 50 Jahren gebaut, schon mit Anfang, Mitte 20 beginnt der Abstieg. Hörgeräte, im Munde Kronen und Brücken, auf dem Weg ins Tal ... das ist Leben, nur soll ich mich runterziehen lassen, nein, ich will schreiten. So habe ich nach MRT und Physio einen Schmerztherapeuten in Hamburg aufgesucht, der mir geholfen hat, die Dauerschmerzen in diesem Bereich verschwinden zu lassen. Beherzt greife ich zu den Stöckern, ertrage den Spott der Sprüche wie: „Hey Benne, Langlauf geht anders!“ und umrunde seitdem den Binnensee – mittlerweile müssen es fünf Jahre sein – Wie gesagt, nicht immer konsequent, kommt mir eine andere Eigenschaft zu Gute, die mir ein Freund, der mich seit vielen Jahren beobachtet, anvertraute.

Wenn ich hinfalle, stehe ich wieder auf .... so fange ich immer wieder an, bin gerade in einer langen Phase. Aufwachen, nicht nachdenken, losgehen, möglichst vor der Sonne unterwegs sein. Was hilft, ist der Fotoapparat, Motive sehen, geniessen. Seit Corona und Sperrung der Seebrücke geht es nun direkt am Strand entlang, wo die Bedingungen durch Wind und Wasserstand veränderlich sind. So 90 Minuten bin ich unterwegs, unterbreche für meine einbeinigen Kniebeugen, Dehnungsübungen, Einbeinheben und die Pferdstellung der Chinesen, wobei die Stöcker aus der Hüfte heraus einen Halbbogen beschreiben, bis sich die Enden über dem Kopf treffen. Dazu höre ich meine Lieblingsmusik – über diese Auswahl lässt sich streiten, aber das mache ich nicht. Nuancen im Lichter- und Wolkenspiel, Möwen mit der Kameralinse jagen, Treibgut finden, neue Schiffe im Hafen betrachten.

So liegt heute ein Holländer, 82 Meter Lang und 12 Meter breit, an der Kaimauer. Er ist von Norwegen über Cuxhaven gekommen. Hänge ich dann meine Stöcker an den Haken, halte ich ein kleines Stückchen Glück in den Händen. Tja, so ist es gekommen.

12.05. Wechselbad

Der Anblick kurzer Hosen fügt sich geschmeidig auf die Netzhaut – es ist ein praller Sommersonntag. Ich bestücke das Schaufenster am Markt und den Kasten im Yachthafen: wir haben geöffnet. Etwas Aufbruchstimmung macht sich breit. An der Segelschule drehen wir noch den Verleihfilm. Nach meiner Vorstellung kann der Mieter auf dem Schiff stehend bei youtube einzelne Tipps ansehen. Setzen der Segel, Verholen des Schiffes, Zusammenlegen etc ...

Gegen späten Nachmittag kommt Starkwind auf. Alle Schiffe sind mit doppelter Vorleine gesichert. Der Nordwind zerrt an den Festmachern, das Wasser steigt. Zwei Jollen holen wir vom Strand hoch ...

Der Montag kündigt sich mit Temperatursturz an, dunkel und düster begrüßt mich der Himmel. Es ist 5 Uhr und irgendwie will ich dem Wetter trotzen. Die Gesichtshaut spannt im Starkwind, es ist kein Sturm, doch die See labt sich am Graswarder, nagt sich bis an die Häuser heran. Am Wasser ist kein Durchkommen, so bleibt nur der Weg am Naturschutzgebiet. Allein das blaue Haus und das Freizeitheim Sturmmöwe gewähren einen Zugang zum Wasser.

Erfrischt und wohlig müde komme ich wieder im Büro an, nehme das Tageswerk in Angriff. So werden erste Flyer verteilt. Über Facebook haben sich netterweise einige bereit erklärt, diese auszulegen. Stanzerl fährt mich zum Edeka, von dort geht es zu Fuß zurück, einmal quer durch den Ort. Meine Beine stöhnen leicht, fordern eine Erholungsphase auf Balkonien.

Der nächste Morgen: das Wasser hat sich zurückgezogen. Der Strand empfängt mich mit einem roten Teppich – eine breite, feste Fläche da macht das Walken einfach Spaß. Auf den Flügeln der Euphorie gelange ich bis nur noch Steine den Küstenstrich bilden. Eine herrliche Sonnen- und Wolkendramaturgie, getragen von den Koloraturen von Anna-Maria Kaufmann auf den Ohren .... ein Glücksgefühl durchströmt mich, lässt mich eilen. Stanzerl will ich wecken, auch sie soll das Schauspiel der Natur genießen….

10.05. Lockerungsübungen

Zwölf Schiffseinheiten liegen schon am Steg. Schüler und Clubmitglieder geben sich ein Stelldichein unter dem Schirm der drei Größen: Abstand, Maske und Hände waschen. Zwei Klos gesperrt, Desinfektionsmittel bereit, so starten wir verzögert in die Saison. Leider kann ich nicht immer dem Impuls widerstehen, einem Menschen die Hand zu reichen.

Unter der Dunstglocke der Besonderheiten spüre ich verschiedene Spannungsfelder. Die Filmproduktion wird eingestellt, eine neue soll entstehen – der Gabentisch geht in die Endphase – Reinigung und Reparatur bis die ersten Schüler kommen. Der Morgenwalk am Strand gibt mir Kraft und Zuversicht. In der Zwiesprache mit dem Meer plätschern die Antworten an den Strand. Keiner kann die Zukunft richtig einschätzen, doch die Hoffnung prescht Lücken in den Wall. Eingriff: zu dritt segeln geht noch nicht. Dennoch ändert sich das Panorama: in der Kimm blühen die Segelboote auf, der Hafen präsentiert sich tagtäglich in zunehmender Fülle.

Mit Doppelkopf und gemeinsamem Essen holen wir uns ein Stück Normalität zurück. Auf der sommerlichen Bühne regen sich die Menschen, um ihre Rolle weiterzuspielen, die aber doch eine etwas andere sein wird, denn das Drehbuch hat sich geändert ϑ)

In eigener Sache:

  • Wir suchen eine neue, liebe Putzfrau, die den Stürmen einer Segelschule gewachsen ist. Wer hat eine Empfehlung?
  • Wir haben neue Flyer. Wer hat eine Idee, wo wir diese sinnvoll aufstellen können?

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Wir segeln! Etwas eingeschränkt aber mit Abstand und unseren Hygieneregeln!

 

 

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